Von Madagaskar lernen ….

Vor ein paar Tagen las ich noch einmal über die Corona-Massnahmen des madegassischen Präsidenten – ein Mix aus Artemisia Annua (eine Beifussart, eingewandert aus China) und einheimische Kräutern, in verschiedenen Zubereitungen, vor allem als Getränk „Covid Organics“. Dabei tauchte in dem Artikel die Frage auf, warum wir sowas hier in Deutschland nicht machen. Ich habe im letzten Frühjahr und Sommer Artemisia Annua-Pflanzen gezogen und mir Tinktur hergestellt. Die Menschen, denen ich Pflanzen für Tee oder die fertige Tinktur schenkte, wussten, dass ich neben dem Wirkstoff auch Verbindung und Berührung verschenke – also etwas von mir. Darüber hinaus steckt meine Arbeit darin, meine Fürsorge, die Kommunikation mit den Pflanzen, die Erde des Ortes an dem ich lebe und so weiter.

Nach meinem Einblick ist den Menschen in Madagaskar der Inhalt/ der Wert weitgehend egal – Hauptsache der Spirit stimmt. Grundvereinbarung ist also, dass ein Halsschmuck aus Grashalmen von dem Ort, an dem meine Mutter begraben ist, einen hohen Wert hat. Es kann auch eine Kette aus Plastikflaschenverschlüssen sein. Einheimische Kräuter gemixt mit einer Pflanze aus dem Land der „neuen Kolonisatoren“ – was kann es potenteres geben! Zumindest in Tana sah ich an beinahe jeder Ecke ein homöopathische Apotheke und erfuhr, dass homéopathique im Vergleich einfach wesentlich billiger ist. Als mein Kollege Ricky sich vor ein paar Jahren ein Bein brach, ging er ins Krankenhaus, ließ sich die Operationskosten ausrechnen, machte alsbald auf dem Absatz des gesunden Beines kehrt und ging zu seinem Heiler. Die eigenen traditionellen Ressourcen werden natürlich nicht immer deshalb genutzt, weil man sie für besser oder wirksamer hält, sondern weil man sich die Alternativen schlicht nicht leisten kann.


Welche Grundvereinbarungen haben wir hier in Deutschland? Was ist Gesundheit für mich? Wann wirkt ein Medikament? Spielt es für mich eine Rolle, ob ich eine Verbindung zu dem Medikament habe und wer es mir gibt oder eher nicht? Und was passiert, wenn ein Medikament nicht wirkt? Ich kenne ein paar Leute, die Schmerz- und Betäubungsmittel nicht vertragen und die im Fall des Falles ohne auskommen müssen.
Mein phytotherapeutischer Begleiter Klaus Kremer (†) sagte bei der Verordnung von Arzneien immer mal gerne: Muss es ein teures Präparat sein, damit es wirkt oder reicht das einfache von Ratiopharm? Der Wirkstoff ist ja identisch. Dabei lächelte er wie einer der eine gute Frage gefunden hat.

Das griechische Wort „pharmacon“ bedeutet Heilmittel, Gift und Zaubermittel. Ist also ein sehr komplexes Ding, so ein Pharmacon. Mir kommt es manchmal so vor, als wäre die unzulässige Vereinfachung die einzige Antwort auf die Komplexität des Lebens und der Welt.

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