Zuhause in der Fremde

Am Leipziger Labyrinth.

Heute mit Künstlerkolleginnen, telefonisch und persönlich. Konzentration auf die Kunst. Die Strategien ähneln sich. Homestudio statt Homeoffice. Räume verwandeln, Autohäuser werden zu Bühnen – geflügelte Fahrräder und singende Eisenträger.

Wir redeten und frotzelten über meine Vermutung, dass das hier grade so eine Art großes Wessi-Empathie-Training ist. Was sind die Menschen in Ostdeutschland nach 89 verspottet worden, weil sie den Systemwechsel nicht so schnell, so elegant, so klaglos hinbekommen haben. Nun können mal alle nachprüfen wie es ist, wenn von einem Tag auf den anderen nix mehr so ist wie es war. Wenn trauern über das Verlorene nicht erlaubt ist und man nicht zornig sein darf über Entscheidungen, die man für falsch hält. Und dann leg mal noch nen schicken Move hin und erfinde dein Leben einfach neu. Hm.

Wir lesen wieder zwischen den Zeilen, wir tun unsere Sachen und bieten möglichst wenig Angriffsfläche, wir lernen, die Spitzel, die Ängstlichen, die Machtgeilen, die Dummen und die Funktionäre zu erkennen, wenn wir sie sehen und wir suchen unser Maß, unser persönliches Maß aller Dinge, unsere Verantwortung und unsere Verbündeten in einer undurchschaubaren Situation. Wir redeten heute so darüber und fanden uns alle gut gerüstet durch unser Ostsozialisation. Schön lockerbleiben. Natürlich ist auch die Krankheit/ Infektion real – der Klassenfeind war es ja auch. Wir sind mit der permanenten Bedrohung eines Atomschlags oder einer anderen irrationalen Handlung einer der beiden hochgerüsteten Supermächte aufgewachsen. Nicht schön, wenn man 12 ist oder 14 und feststellt, dass man morgen sterben kann, weil irgendein Idiot den roten Knopf drückt. Oder weil Luft und Wasser so vergiftet sind, dass du das Gift riechen und schmecken und sehen kannst. Was das betrifft, hat sich meine Welt durchaus zum besseren verändert. Vieles verändert sich, wenn man das Falsche sein lässt. Das reicht auch erstmal, solange man nicht weiß, was richtig ist.

In Subsahara sterben noch heute die meisten Menschen an der Luftverschmutzung und Trinkwasser, was keins ist.

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