Die Realität

… ist was für Leute, die nichts besseres hinbekommen. Hatte ich mir mal notiert und fand ich gestern wieder bei der Findung von steuerrelevanten Papieren. Mich beschäftigt in der Tat aktuell die Frage nach dem Leben in der Welt der Steuererklärungen, GEMA-Anmeldungen, Coronaverordnungen.

Gesa hatte ein komisches Gefühl beim Autofahren, prompt fand ich ein kaputtes Ventil, die Luft im Reifen nur noch gehalten von dem Schraubekäppchen – was noch keine Probleme machte, aber ev. morgen welche gemacht hätte. So erklärte sich eine bereits abgesagte Fahrt im nachhinein einmal mehr und es blieb genug Zeit, einen Termin morgen in DD abzusagen. Das Problem mit dem „Auffangen“ ist, dass wir oft nicht wissen, was das Aufgefangene uns sagen will. Manchmal hat es ja auch nichts mit mir direkt zu tun, sondern mit dem Nachbarn, dem Land, einer Person im Raum. Bäume können um Hilfe rufen. Ich traf mal eine Kröte, die sich an meinen Arbeitsräumen in Gluthitze auf dem Asphalt verlaufen hatte. Ihre Hinterbeine ganz verrenkt von der Qual den heißen Boden zu berühren. Ich hörte ihren Schrei wie einen sehr hohen Ton in meinem Kopf und suchte nach dem Ursprung. Ich fand sie, trug sie sofort zum nahen Gewässer und überschüttete sie mit Wasser. 10 min. später war sie (offensichtlich munter) weg.

Ich übe Rahmentrommel und bin froh, dass die Spieltchnik so gar nichts mit dem zu tun hat, was ich schon kann. Ein Neuanfang. Mal alle Strategien überprüfen, die ich sonst meinen Student!nnen empfehle. Muss ja nicht immer eine gebrochene Hand sein 😉 Obwohl die zum Strategien prüfen auch gut war!

„You learn techniques to understand principles, and once you understand the principles, you create your own techniques.“ („Du lernst Techniken, um Prinzipien zu verstehen. Hast du die Prinzipien verstanden, erschaffst du deine eigenen Techniken.“ /Alain Gehin)

Mit den Kollegen bin ich mir einig, dass die Zeit in der wir leben, uns alle Disziplin abverlangt, die wir aufbringen können. Was hat Üben für einen Sinn? Wozu neue Songs schreiben? Warum miteinander proben? Natürlich bringen die künstlerischen Berufe immer mal wieder die Herausforderung, mentale Stärke zu bewahren, wiederzufinden oder neu zu erschaffen. Du musst grade stehenbleiben, gradaus denken, gradaus fühlen, auch wenn die ganze Welt um dich herum sagt, das ist falsch so und das wird sowieso nix. Und studiert haste auch nich. Oder grade weil du studiert hast, da ist ja der ganze Bauch wegstudiert. Ach ja, was ich mir schon alles anhören musste.

Ansonsten lese ich nach vielen Jahren wieder „Macht und Sinnlichkeit“ von Audre Lorde/ Adrienne Rich.

Bei RoB in BLN fand ich Audre in den Notizen – die Frage nach der Selbstinszenierung, den Ausschnitten, die wir der Welt zeigen, „das Ritual, was wir wählen“ – also auch welche Realität Teil meiner Identität ist/ wird. Das ist schon fast zu groß für den Bildschirm.

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