Atmen und wandeln

Die Anhängerinnen und Anhänger patriarchaler Ideologie sind nicht in der Lage, integrativ/inklusiv und kreativ zu denken und zu handeln. Das ist leider so. Und sie werden es nie können. Leider nein. Fische werden in absehbarer Zeit nicht auf Bäume klettern. Patriarchale Ideologie braucht Sündenböcke, Gewalt, Willkür, unlösbare Probleme und die eine einzige alternativlose Lösung. Wir haben bereits viele Möglichkeiten abgegeben, die Gierhälse, Schnappsäcke und Ehrabschneider dieser Welt entsprechend einzuhegen und ihr Treiben zu reglementieren. Umso niedlicher sind unsere Versuche, Krisen zu bewältigen, indem wir aufeinander, auf unseresgleichen, einschlagen. Patriarchale Ideologie/ Turbokapitalismus/ Neoliberalismus haben kein Interesse daran, sich um die Menschen zu kümmern. Am Ende hilft da auch mein Gehorsam und meine Anpassung nichts. Möglicherweise bin ich brauchbar, solange ich funktioniere, aber mein Gott, es gibt so viele wie mich.

Ehrlicherweise sollten wir den Feudalismus wieder einführen bzw. akzeptieren, dass wir ihn eigentlich nie überwunden haben. Auf meiner persönlichen „Liste der umzuträumenden alternativlosen Unumstößlichkeiten“ erscheint grade immer öfter die Frage, ob ich mich mit der Aushöhlung/ Sinnentleerung/ Sinnentstellung von Begriffen und Bezeichnungen zufriedengeben muss. Muss ich? Was ist der Inhalt eines Wortes? Kann er gestohlen werden? Sollen meine Worte nicht eigentlich meine Gefühle wiedergeben, eine Stimmung ausdrücken, Liebe und Zorn in einer Fassung halten oder mit klarem Geist eine Situation benennen, ohne sie schlecht- oder schönzureden?

Am Ufer des Haselbacher Sees

Gewalt in Wort, Schrift und Tat ist keine Lösung. Vernünftige Entscheidungen treffe ich nicht im Panikmodus. Dauerstress ohne Aussicht auf positive Veränderung oder ein absehbares Ende vergiftet Körper, Geist und Seele. Hingabe, Mitgefühl, Solidarität und 100% Hass-Verweigerungs-Quote sind das Gebot der Stunde. Neue staatliche Krankenhäuser mit vernünftigem Personalschlüssel und menschenwürdigen Arbeitszeiten für das Pflegepersonal – warum nicht. Riecht natürlich gleich wieder wie DDR/ Diktatur/ Stasi/ Furchtbar. Meine Theorie ist ja, dass solange der Ostblock existierte, der Kapitalist immer beweisen musste, dass er der bessere Sozialist ist. Schade eigentlich um den Ostblock, könnten wir jetzt gut gebrauchen. Aber vielleicht tun es ja die islamischen FundamentalistInnen auch. Obwohl „Dschihad“ wohl ursprünglich wie bei allen Kriegerphilosophien zuallererst bedeutete, den Feind im eigenen Herzen zu sehen und zu konfrontieren. Inshallah.

Aber egal jetzt, nicht ablenken, wir brauchen ja einen Feind, einen Widerpart, eine Reibungsfläche. Was du machst ist falsch, deswegen ist das, was ich mache richtig. Wärst du nicht falsch, wüsste ich ja nicht was richtig sein ist. Bitte geh nicht weg. Spiel mit mir.

Atmen. Tief atmen, nicht aufhören zu fühlen. Die Elemente um Hilfe bitten. Wasser reinigt und lehrt uns Bewegung, nichts Festes kann ihm wiederstehen. Der Luft/ dem Wind können wir alles anvertrauen, was wir nicht länger festhalten wollen. Feuer transformiert/ wandelt alles, was mit ihm in Kontakt kommt. Die Erde macht aus allem Kompost, auch aus dir, deinem Müll und deinen Feinden. Ankern und Halt finden in einem glücklichen Moment – wann war das, wo war das, wie genau hast du das Glück gespürt? Ruf dir Helferinnen und Helfer – Jesus, Durga, deine verstorbene Katze, deinen Lieblingsberg oder Oma Heidrun – alle meine Verwandten/ MITAKUYE OYASIN/ all my relations – sie helfen dir gern, wenn sie Zeit haben. 😉 Und: das Universum ist nicht moralisch. Ich verliere oder verwirke mein Recht auf Leben nicht, auch wenn ich mich komplett daneben benehme. Natürlich darf ich mich fragen, was Jesus dazu meint. Oder Durga. Oder die Katze. Aber auch sie teilen mir meine Würde, meine Ehre, meinen Wert nicht zu, noch können sie ihn mir entziehen. Ich habe alle Möglichkeiten, alle Angebote der Evolution zur Verfügung. Und die Möglichkeit auszuwählen. Ich bin ein Mensch. La corona de la creacion.

Rickys Proberaum in Tana/ Madagaskar

Lebenshilfe

… von der Bildkunst und -sammel KG. Ich höre PARNE GADJE, „Zigeunermusik“ von „Nicht-Zigeunern“. Ja, das darf man sagen. Ist nicht die beste stammesübergreifende Bezeichnung, aber Roma als Oberbegriff ist leider auch falsch und als Eigenbezeichnung nicht immer akzeptiert. Als Fremdbezeichnung schon gar nicht. Gitanos, Manouche, Jenische, Tatern, Sinti, Roma, Gitans, Gypsies, Kalé, Zsigany. Im Zweifel einfach nachfragen, wie du die betreffende Person nennen sollst, wenn du über sie sprichst.

Eine liebevolle Bastelarbeit – heute früh gesehen bei meinem Schrauber, ich lache jetzt noch Tränen. Mein technisches Verständnis orientiert sich genauso am Ausschlussverfahren, das klappt auch in der Regel. WD 40 und Tape helfen in der Tat bei fast allem, den Rest schaffen heisses Wasser und Seifenlauge. Mit Menschen is nich so einfach … Obwohl. Wenn die Technokraten so weiter marschieren, fangen wir vielleicht doch noch an, wie sie zu denken und zu fühlen. Es geht natürlich nicht um laut oder leise, an oder aus, eins oder null, richtig oder falsch. Jedenfalls wenn man kein Auto ist.

Und zwei Snips vom Berlin-Wochenende. Bessie Coleman war die erste African-American mit Pilotenschein, die erste Frau mit dem internationalen Pilotenschein und gründete eine Flugschule für Schwarze, damit die sich nicht mit denselben Hindernissen abquälen sollten wie sie selbst.

Und ganz blöd, aber lustig!

Unterwegs im Nirgendwo

„At the respective end of my realities, Goddess, you dreamed me anew.
Am jeweiligen Ende meiner Wirklichkeiten, Göttin, träumtest du mich neu.“
Alba J.

Was ich grade höre: Adam Bałdych Quintet , von seinem neuen Album „Poetry“. Ein junger polnischer Geiger.

Und Zbigniew Seifert. Auch ein polnischer Geiger, leider viel zu früh gestorben.

Ich schnuppere Berliner Luft, fange Töne an der Mauergedenkstätte und denke nach.

embrace the darkness!

Abseits von Hellotralala und wirklich gruseligen Plastik-Riesenspinnen in Vorgärten gibt es ja noch Samhain und den energetisch tiefsten Punkt im Jahr, weswegen gestern auch für manche Menschen Neujahr war. Ich habe gestern und vorgestern meine aktuellen Plätze besucht und siehe da, ich gehe in den Wald an einer Stelle, wo ich sonst herauskomme. Da ist auf einmal ein Schild. Was ich sonst nicht sehe, weil raus ist nicht dasselbe wie rein. (Ein Plädoyer für: Geh den Weg zurück den du gekommen bist, du findest völlig neue Orte.)

Naja. Was steht auf dem Schild: Am Höllenberg. Na prima, denk ich – die Hel, die Holle ( die Hölle), die Unterweltsgöttin zeigt dir sogar ein Schild! Ich hatte den Eindruck, dass in diesem Jahr ganz besonders viele Menschen ganz besonders stark spüren, wie die Grenzen zwischen den Welten dünn werden und unsere Ahnen, die Geister, ansprechbar und anwesend sind. Die Männer und Frauen die vor uns gelebt haben. Gearbeitet, geliebt, gestritten, gekämpft und einen Garten bestellt haben. Vielleicht dachten sie an uns, ihre Ur-Ur-Ur-Enkel!innen, vielleicht nicht. Ich lese grade „Kulturschock Madagaskar“. Immer wenn ich wo lese, dass der Animismus, die Ahnenverehrung, der Göttinnenkult oder was auch immer den Fortschritt verhindern, denke ich, hm, ist das jetzt gut oder schlecht?

Die Angehörigen der Six Nations, der großen Irokesennation und die Aborigines in Australien behaupten, wir müssten bis in die 7. Generation denken, wenn wir heute Entscheidungen treffen. Dazu ist nun weder der Turbokapitalismus, noch das Patriarchat oder der Neoliberalismus in der Lage. Ich fürchte, wir werden sie alle drei abschaffen müssen. Für den Anfang würde es reichen, ihnen unsere Unterstützung zu entziehen.

Mich erstaunt der quasi religiöse, ja fast fundamentalistische Umgang mit dem Impfstatus. Der Impfpass ist doch kein Kreuz, Weihwasserkessel oder Grigri, was man hochhält und dann verziehen sich die Dämonen. Entscheidend ist wie gut ich immunisiert bin. Nüchtern betrachtet kann dein Immunstatus „von Natur aus“ sehr gut sein oder trotz Impfung eher nicht so gut. Und alles mögliche dazwischen. Unsere individuelle Ausstattung ist verschieden, das gehört leider zu den oftmals bitteren Ungerechtigkeiten des Lebens. Schlechte Zähne haben nicht immer mit mangelnder Mundhygiene zu tun. Naja. Ich bin mir sicher, dass im Hintergrund gute Menschen acht Stunden am Tag fleißig daran arbeiten, belastbare Aussagen darüber zu bekommen, wieviele Antikörper, T-Zellen und was auch immer im Blut sein müssen, damit das/ ein Virus nicht überbordet. Und wie eine Test-Infrastruktur aussehen könnte. Und was wir alles noch für Studien brauchen, um besser zu verstehen. Die nächste Krise überlassen wir bitte nicht den Politiker!nnen, Journalist!nnen oder wer sonst am meisten brüllt.


Wie dichtete einst der Wecker: „Es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind.“


Das eigentliche Problem ist doch, dass die Menschheit munter Wildtiere und ihre Lebensräume abmurkst und zerstört und also auch die Viren ihre Heimat verlieren. Demnächst taut ja der sibirische Permafrostboden – was dann klimagewandelt zum Vorschein kommt, möchte ich persönlich nicht so genau wissen. DAS sind die Konsequenzen, die wir tragen müssen.