The Power Of Now

Hatte vorgestern einen Videoflow und habe ein „sehr schönes und vielseitiges Stück Gegenwarts-Perkussion“ (so reagierte eine Kollegin) hochgeladen. Und heute gönne ich mir noch die Aktivierung des Soundcloud Unlimited Accounts mit 40% Rabatt, damit ich demnächst unendlich lange Musikstücke dort einstellen kann. Weiter unten am Ende der Seite findest du seit gestern einen PayPal-Spenden-Button. So wie ich es sehe, werden wir in Zukunft stärker mit unserem ganz persönlichen finanziellen Engagement dafür sorgen müssen, dass Projekte unterstützt und finanziert werden können.

Und ein Halbsatz der Schweizer Historikerin und Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli, der mich gestern abend sehr erfreute:“ …. Menschen mit Menstruationshintergrund …“. Das zieht den unsäglichen Teilen der Gender-Debatte die Schuhe aus, oder? Klugheit ist sexy! Ihre Vorträge gibt es auf YouTube.

Die Realität

… ist was für Leute, die nichts besseres hinbekommen. Hatte ich mir mal notiert und fand ich gestern wieder bei der Findung von steuerrelevanten Papieren. Mich beschäftigt in der Tat aktuell die Frage nach dem Leben in der Welt der Steuererklärungen, GEMA-Anmeldungen, Coronaverordnungen.

Gesa hatte ein komisches Gefühl beim Autofahren, prompt fand ich ein kaputtes Ventil, die Luft im Reifen nur noch gehalten von dem Schraubekäppchen – was noch keine Probleme machte, aber ev. morgen welche gemacht hätte. So erklärte sich eine bereits abgesagte Fahrt im nachhinein einmal mehr und es blieb genug Zeit, einen Termin morgen in DD abzusagen. Das Problem mit dem „Auffangen“ ist, dass wir oft nicht wissen, was das Aufgefangene uns sagen will. Manchmal hat es ja auch nichts mit mir direkt zu tun, sondern mit dem Nachbarn, dem Land, einer Person im Raum. Bäume können um Hilfe rufen. Ich traf mal eine Kröte, die sich an meinen Arbeitsräumen in Gluthitze auf dem Asphalt verlaufen hatte. Ihre Hinterbeine ganz verrenkt von der Qual den heißen Boden zu berühren. Ich hörte ihren Schrei wie einen sehr hohen Ton in meinem Kopf und suchte nach dem Ursprung. Ich fand sie, trug sie sofort zum nahen Gewässer und überschüttete sie mit Wasser. 10 min. später war sie (offensichtlich munter) weg.

Ich übe Rahmentrommel und bin froh, dass die Spieltchnik so gar nichts mit dem zu tun hat, was ich schon kann. Ein Neuanfang. Mal alle Strategien überprüfen, die ich sonst meinen Student!nnen empfehle. Muss ja nicht immer eine gebrochene Hand sein 😉 Obwohl die zum Strategien prüfen auch gut war!

„You learn techniques to understand principles, and once you understand the principles, you create your own techniques.“ („Du lernst Techniken, um Prinzipien zu verstehen. Hast du die Prinzipien verstanden, erschaffst du deine eigenen Techniken.“ /Alain Gehin)

Mit den Kollegen bin ich mir einig, dass die Zeit in der wir leben, uns alle Disziplin abverlangt, die wir aufbringen können. Was hat Üben für einen Sinn? Wozu neue Songs schreiben? Warum miteinander proben? Natürlich bringen die künstlerischen Berufe immer mal wieder die Herausforderung, mentale Stärke zu bewahren, wiederzufinden oder neu zu erschaffen. Du musst grade stehenbleiben, gradaus denken, gradaus fühlen, auch wenn die ganze Welt um dich herum sagt, das ist falsch so und das wird sowieso nix. Und studiert haste auch nich. Oder grade weil du studiert hast, da ist ja der ganze Bauch wegstudiert. Ach ja, was ich mir schon alles anhören musste.

Ansonsten lese ich nach vielen Jahren wieder „Macht und Sinnlichkeit“ von Audre Lorde/ Adrienne Rich.

Bei RoB in BLN fand ich Audre in den Notizen – die Frage nach der Selbstinszenierung, den Ausschnitten, die wir der Welt zeigen, „das Ritual, was wir wählen“ – also auch welche Realität Teil meiner Identität ist/ wird. Das ist schon fast zu groß für den Bildschirm.

Unterwegs

Auf Forschungsreise – bei meiner Webdesignerin, die DrumsAndChants-Seite straffen und ein wenig umbauen. Mein Unterrichtsuniversum neu definieren. Der Versuch, schon länger lose herumhängende Enden und neu gefundene Fäden ins Gewebe einzuarbeiten. Abseits von Trotz und Ärger über die Situation. Abseits von Politik. Abseits vom Tagesgeschehen. Ich kämpfe im Moment schon sehr um Klarheit. So vieles liegt im Verborgenen. Anderes ist umso deutlicher. Ich will die Aufforderung zum Wandel annehmen und umsetzen – in a good way. Zweifel sind nicht hilfreich.

Ich höre ein Windspiel im Wind und denke, wenn es mir gelänge meine Musik zu spielen mit dieser Absichtslosigkeit, wie der Wind mit dem Windspiel spielt ….

Im Hainich, im Wald, konkret auf einem ehemaligen russischen Truppenübungsplatz. Immer mal wieder denke ich daran, dass „der Wald“ zumeist nicht älter als 150 Jahre ist. Vor 200 Jahren war der Schwarzwald komplett entwaldet. Feuerholz, Holzkohle, Schiffe, Kirchen, Häuser. 1945 hatte der Borkenkäfer den Harz gefressen. Fiel nur nicht so richtig auf im zerstörten Deutschland und in den zerstörten Seelen. Das heißt jetzt nicht, dass wir einfach weiter Umweltschäden fabrizieren sollen. Aber (Ulrich Tukur bei #allesdichtmachen), wenn die Menschen alle weg sind, gibt es endlich, was die Erde so dringend braucht: Ruhe und Frieden. Das stelle ich mir jetzt als Vorbereitung für die nächste Inkarnation mal vor. Zwischen Hysterie und Ignoranz liegt der SpielRaum!

Forschungsreise nach innen. Die Herausforderungen der Rahmentrommel ähneln denen der Geige in den Anfangsgründen durchaus. Die Töne sauber ansteuern und ihnen erlauben zu erscheinen. Ehrgeiz und Wille dürfen die Muskulatur unterstützen. Ich bin Kind und Erwachsene zugleich. Lernende und Lehrende. Was für ein Geschenk. Und eine Lehrerin haben, die sich über all das freut und an den richtigen Stellen einfach wartet und nichts tut. Ich glaube, da muss ich noch mal drüber nachdenken 😉 das sollte ich vielleicht auch öfter tun.

Vereint im „Die da!“

Diedaismus allüberall. Quer durch alles Denken hindurch, ohne Ansehen von Alter, Geschlecht, Stellung, Klasse, Partei, Bildungsgrad und und. Ohne Dieda geht grade gar nichts. Gäbe es Dieda nicht, man müsste sie erfinden.

Wenn die nicht, dann könnte ich ja. Würden die mal endlich, dann müsste ich nicht. Wenn die sich richtig verhalten hätten, dann gäbe es ja schon lange wieder. Ich mach hier immer alles und die da nix. Die kriegen immer alles und wer gibt mir was? Die lügen doch sowieso. Hier kann doch jeder, warum sind die nicht einfach? Ich geb mir doch Mühe, was wollen die da eigentlich? Die müssen weg! Die gehören eingesperrt! Die gehören abgeschoben! (Auf dieser Eskalationsstufe angelangt, folgen dann nur noch div. Todesarten, je nach ideologischem Hintergrund und persönlicher Hemmschwelle.)

Diedaismus ist übrigens auch keine Basisdemokratie, sondern gemeinsam meckern. Nichts gegen. Manchmal stehen ja nach genügendem Gemecker alle gemeinsam auf und bauen eine Garage. Oder wandern aus. Gerda Weiler ist die Urheberin eines meiner Lieblingssprüche: „Es gilt, die Lebensaufgaben anzugreifen. Nicht den Feind.“

Der Spruch steht natürlich hier völlig zusammenhanglos. Ich fand ihn nur lustig. Und ich habe ja mal eine Weile in Dresden gelebt. Da traf ich damals auch schon ein paar Weltmeister im Diedaismus. Is jetzt so 40 Jährchen her. Wie die Zeit vergeht!

Nachrichten aus der Katerwelt

Vergiss nicht zu schnüffeln. Dreh deine Nase nach oben in die Luft, bewege sanft den Kopf und lass die Informationen zu dir kommen. Wo gibt es Beute? Naht ein Hund oder ein Katzenhasser? Kommt Regen? Sonne auf dem Gras. Nasse Gehwegplatten. Blühender Flieder. Benutze deine Sinne. Unterscheide das Rascheln einer Maus, einer Amsel, eines Igels. Höre genau! Wer spricht mit welchen Tönen? Was liegt hinter den Worten?

Sei wachsam und mach es dir dabei bequem. Schüttle die Pfoten und strecke dich. Spring hoch und dreh dich einmal um dich selbst! Du bist. Und du spielst, was du bist. Renne! Da! Ein kurzer Biss, klar und leuchtend schnell wie ein Blitz. Oder wie Erkenntnis. Das ist Katzenmedizin.

Lust zum Streiken

Wenn es irgendjemanden interessieren würde, ob ich streike oder nicht – dann würde ich gerne für bessere Arbeitsbedingungen der heilenden und pflegenden Berufe streiken. Sie selber können es ja nicht, „sonst sterben Menschen“. Es geht nicht um „die da“, es geht um „das da“, das strukturelle Problem, dass viel zu wenig Leute viel zu lange viel zu viel arbeiten müssen. Nicht erst seit Corona ……………………………………..
Ich hasse dieses GegeneinanderAusgespiele. Selbstständige gegen Angestellte, Krankenschwester gegen Schauspielerin, armer Syrer gegen armer Hartzer, jung gegen alt. Irgendjemandem geht es immer besser. Jaja. Na und. Natürlich kann ich rein theoretisch in der Stunde 100x mehr verdienen als eine Krankenschwester oder eine Paketbotin. Aber nicht jede Stunde, nicht jeden Tag. Oft baue ich jede Woche mein Krankenhaus neu und erfinde täglich andere Transportmittel für meine Paketdienstleisterfirma. Nach Abzug aller Kosten bleibt dann oft deutlich weniger als der Mindestlohn. Gelegentlich morphen meine Firmen vom EinFrauBetrieb zum Mini-Orchester und zurück. Ich begann meine Ausbildung mit vier Jahren, meine Berufstätigkeit mit sieben. Mein Pappa sagte immer gerne: „Während wir hier stehen und üben, verdienen andere Leute Geld.“

Wenn ich mal über die Einzelheiten meines Berufes spreche, will komischerweise immer niemand mehr mit mir tauschen.


Achja, die Kunst. Von den falschen Leuten gelobt werden, steht in unserer Stellenbeschreibung. Schelte kriegen auch. Auch von den falschen Leuten. Hm. Das sollte man eigentlich bereits bei der Aufnahmeprüfung für eine Kunsthochschule klären. Einer meiner Lehrer empfahl , konsequent Kritiken NICHT zu lesen. Die eigene Mobbingresistenz gelegentlich zu überprüfen und zu pflegen. Da habe ich mich brav dran gehalten. Er wusste natürlich nicht, dass es später das Internet und die asozialen Medien geben würde. Ich versuche, zwischen der öffentlichen Person, der Marke „Ingeborg Freytag“ und mir eine professionelle Distanz zu haben und zu halten. Naja. So help me god.

Blick vom Rondell in Sondershausen.

Schwellenzeit

In allen Kulturen gilt der Aufenthalt auf der Schwelle als nicht vielversprechend bis sehr gefährlich. Auf allen Schwellen tummeln sich die Geister, die meistens nicht wirklich böse, sondern nur auf der Suche nach guter Unterhaltung sind. Wenn du da reingerätst, is Pech. Soviel Energie, wie du da verlierst, kannst du von Haus aus gar nicht haben. Auch Übergangszeiten sind solche Schwellen. Wir erleben grade, wie geisterbesoffene Leute es total geil finden, 125 oder 1378 Menschen von einer Bühne aus Dinge zuzurufen. Ist um einiges geiler als ein Youtubevideo zu produzieren, obwohl die Kommentare drunter auch beim Aufplustern helfen. Als Bühnenmensch weiß ich natürlich um die identitätsstiftende Wirkung solcher Maßnahmen. Ich finde nur, in einem Prozess, der uns sehr klar, scharf und hässlich zeigt, wo unsere Gesellschaft/ Ordnung/ Grundvereinbarung/ Regierungsform versagt, sollte es nicht nur um die Geisterbelustigung auf der Schwelle gehen. Die Zauberkünstler in den Varietes meiner Kindheit wiesen mit großer Geste auf den Blumenstrauß, um derweil die mysteriöse Wanderung der Münze von der rechten zur linken Hand auszuführen.

Ich sehe keinen Plan und keine planvoll handelnde Elite, weder jetzt noch in der Geschichte. Ich sehe umfassendes Versagen und umfassenden Unwillen zu lernen. Macht, und sei sie noch so lächerlich, ist natürlich „die Lizenz zum NichtLernenMüssen“. (Karl W. Deutsch)

Hier ein paar Ideen, um was es gehen könnte:

  • eine hochtechnologisierte, hocheffiziente Recyclingwirtschaft, die dafür sorgt, dass nichts auf diesem Planeten mehr einfach weggeworfen wird – dass Unternehmen, die die Ressourcen unseres Planeten ausbeuten, sich wandeln dürfen und unternehmerischer Sachverstand sich visionären = zukunftsorientierten Lösungen zuwenden kann
  • ein Gesundheitssystem, was den Beschäftigten ermöglicht zu heilen, zu helfen und zu pflegen. Wer lieber im Labor arbeitet oder Hightech-Prothesen entwickelt, bitte ja! Und wer stolz sein möchte, dass 72-Stunden-Schichten ohne ausreichende Personaldecke persönlicher Standard sind, bitte ja. Gerne bei „Ärzte ohne Grenzen“ oder in Notstandsgebieten….. nicht als allgemeingültige Handlungsrichtlinie!
  • ein Bildungssystem, was nicht eher ruht, als bis jeder Mensch in jedem Alter seine persönlichen Lehrpersonen, seine Lernform, seinen Lernort gefunden hat und sich mit Freude weiterentwickelt
  • eine Regierungsform, die denen, die nach uns kommen (unseren Kindern, Enkeln, Urenkeln >>>>>) und denen die keine Stimme haben (weil sie angeblich nicht leben = Erde/ Feuer/ Wasser/ Luft, aber auch Pflanzen, Tieren, Viren, unseren Ahnen usw.) ein Mitspracherecht gibt
  • eine Gesellschaft, die die Unterschiede respektiert und daraus keine Bewertungen bastelt
  • eine Gesellschaft, die weiß, dass Menschenrechte für alle gelten müssen, weil sie sonst für niemanden gelten
  • die Unterstützung der jungen Aktivistinnen und Aktivisten, die viele Ideen und viel Mut haben, diese Welt umzubauen, damit zivilgesellschaftliches Engagement und individuelle Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen möglich ist bzw. wird.
  • die Möglichkeit, emotional reduzierte Workaholics in ihrer Verarmung wahrzunehmen und nicht als Leuchttürme an Arbeitsmoral und Unternehmergeist, deren Wertevorstellungen die Gesellschaft prägen

Sehhilfen vom Nymphenbad in Weimar.