Das Licht kommt wieder. Die Tage werden wieder länger, allerdings dauert es noch bis Imbolc/ Lichtmess Anfang Februar, bis wir es merken 😉 Kurz innehalten schadet also nichts – hast du einen Ritualkreis und ein großes Jubelfeuer im Freien, umso besser. Da ich mich kürzlich beruflich und ganztägig im Freien getummelt habe, davon einen Tag bei wirklich fiesem kalten Wind auf einer Bergkuppe, verzichte ich dieses Jahr auf größere Außenaktivitäten. Mein Körper überlegt noch, ob krankwerden eine Idee ist – aber da ich wie meistens bei den ersten Anzeichen sofort brav in Bettruhe gegangen bin, komme ich wohl drumherum. Mal sehen.
Halt finden in einer instabilen Welt. Das Jahresrad und seine Feste sind, wie auch das Kirchenjahr und seine Feste, eine Möglichkeit, sich in zirkuläre = rhythmische Abläufe zu stellen. Deswegen liebe ich Trommelmusik. Die Wintersonnenwende markiert Wiedergeburt und Neubeginn – die Göttin schenkt uns ihr neues Sonnenkind, in unseren Zimmern steht der immergrüne Lebensbaum und der Polarstern der Herrin des Himmels schmückt vielerorts seine oberste Spitze. Wiedergeburt war irgendwann mal ein selbstverständliches, Hoffnung und Trost spendendes Versprechen. Und ist es in indigenen=traditionellen Gemeinschaften teilweise heute noch. An vielen Orten glauben die Menschen, dass die Frauen der Gemeinschaft die verstorbenen Ahnen aufs neue in die Gemeinschaft hinein gebären. Wir kennen Erinnerungskrümel davon: „Sieht sie nicht aus wie Oma Heidrun? Diese Nase!“ oder „Onkel Helmut war auch immer so schnell eingeschnappt wie er. Weisst du noch?“

In matriarchalen Gesellschaften kannst du nicht verlorengehen. Kreisläufe und dem Leben/ den Lebensrealitäten zugewandte Strukturen geben Sicherheit. Integratives Denken/Fühlen/Handeln ermöglicht Freiheit, neugierige Suche und individuellen Ausdruck. Wir leben aktuell in einer Welt von großer Alternativlosigkeit. Krisen werden mit einem einzigen (richtigen) Weg bewältigt. Das sollte uns zu denken geben. In der Oppositionsbewegung der DDR begann ich außerdem zu lernen, wie wichtig es ist, zu fühlen. Und wie wichtig es ist, alle Stimmen zu hören und aus der Vielfalt unterschiedlicher Wahrnehmung die nächsten Schritte abzuleiten. Die Demokratie beginnt im eigenen Herzen.


Bei allen, vielen, den meisten Sonnenwend-Ritual-Ideen im Netz fehlt mir eins: Dankbarkeit. Ich erinnere mich an meinen Sweatlodge-Lehrer, der immer meinte, die indianische Tradition bräuchte das zwar nicht, aber für uns im Westen wäre es eine gute Idee, vor den Bittrunden eine Dankesrunde einzuführen. So gab es bei ihm also immer 5 Schwitzrunden und vor allem anderen Geschehen mussten wir unser Herz für die Geschenke unseres Lebens öffnen. Und siehe da – es kam regelmäßig eine Menge zusammen. Und so manche Bitte, so manches GibMirGibMir konnte ganz wundersam abgekürzt werden.
Unter Astronomen gilt als vereinbart, dass unsere Sonne in ca. 2 Milliarden Jahren verlöschen wird. Erdgeschichtlich gesehen ist das quasi übermorgen – wenn sie also morgen wieder aufgeht, betrachte ich das als Geschenk. In diesem Sinne – happy solstice!