Verorten und Verwurzeln

Das funktioniert immer am besten, wenn ich zu Plätzen meiner Kindheit reise. Wieder mal der Solewasser-Vitalpark = Solefreibad in Bad Frankenhausen. Mit gut gewässerten Wurzeln und nachdem ich vor lauter Begeisterung gleich meinen Schrankschlüssel im Wasser verloren hatte, ging es zur Elisabeth-Quelle (die vor allem die Kyffhäusertherme mit Sole versorgt) und danach auf ins Panoramamuseum. Wenn ich zwischendurch mal kurz an der Sinnhaftigkeit meines künstlerischen Tuns zweifle, setze ich mich gern zu Tübke. 11 Jahre hat er an diesem Monumentalbild gearbeitet und es 1987 vollendet. Ja, es war möglich, aus der DDR auszutreten und etwas zu erschaffen, was auch einen Staat überlebt. Ich saß eine halbe Stunde in der Stille und dem leisen Geflüster der (wenigen) anderen BesucherInnen. Ist doch egal, wie lange es dauert, sagt das Bild. Mach einfach.

Dann weiter zu meiner Rahmentrommelmeisterin und ein paar ihrer erhellenden Unterweisungen. Die nicht nur im Kopf, sondern auch in den Händen Licht anmachen. Erkenntnisse gewinnen und ihnen erlauben, sich zu manifestieren, zu materialisieren, zu verkörpern. Damit ist auf spiritueller Ebene alles geklärt – der Rest ist Zeit, Geduld und Training. Naja. Fuchs steh mir bei!

Zurück vom „improhazard“

Ein großes glückliches Familientreffen zum „Festival improvisierter Musik“ in der sächsischen Provinz mit Anreisen bis zu 600 km und neuen Ausblicken für die regionalen Improscenes. Vergangene AHA-Erlebnisse und Initiationen wurden geteilt, Micha Breitenbach bewies uns allen, dass er nicht nur ein begnadeter Sopransaxofonist sondern auch ein ebenso begnadeter Vegan-Koch ist. Und natürlich Musik, Bier, Gespräche und persönliche Präsenz. Die Hofkatzen taten ihr Bestes, uns durcheinander zu bringen.

Ich nahm nach kurzem Nachdenken nur Geige und Toni mit – gute Entscheidung, es waren ausreichend Blinkelämpchen vor Ort. Musik ist unsere Sprache. Über alle Grenzen hinweg.

Gestern früh kurzes Telefonat mit Madagaskar, irgendwie kann ich mit Ricky immer wieder völlig unmotiviert in schallendes Gelächter ausbrechen. Ich glaube, wir waren grade bei dem Thema, wie verrückt alles um uns rum ist und dass das einzig Reale unsere Proberäume sind. Oder so.

Ich möchte gerne den Warschauer Pakt neu gründen, damit die NATO wieder einen realen Feind und nicht nur eine Projektionsebene hat. Irgendwie ist mir das 30 Jahre nicht aufgefallen, dass es immer noch ein Verteidigungsbündnis gegen, ja …. nun …. gegen was gibt? Die Sowjetunion hat nach dem Herbst 1989 alle Truppen und auch die atomwaffenbestückten Mittelstreckenraketen aus Ostdeutschland abgezogen. Und auch aus der Ukraine (z.B.). Die USA hat was abgezogen?

Projektionen sind an sich kein Unglück. Natürlich darf ich an meinem Küchentisch vor mich hin projizieren – das ist in vielen Fällen einfacher, als mal über sich nachzudenken und den Feind im eigenen Herzen zu erkennen. Manchmal geht das eben nicht. Da bin ich voll Sufi. Aber, die Sache ändert sich, sobald ich Entscheidungsträgerin und Machthaberin bin.

Ich bin unter Ronald Reagan aufgewachsen. Für den war die Sowjetunion das Reich des Bösen! Nicht im übertragenen Sinne, sondern ganz und gar buchstäblich! Das prägt. Und macht einen gewaltigen Unterschied bei ostdeutscher oder westdeutscher Sozialisation. Wir hier brauchen unseren Zugang zur Welt als Ostdeutsche und Osteuropäer!nnen. Und, soweit gehe ich —- die Welt braucht ihn auch. Wir wissen um den Schmerz, nicht wirklich deutsch, nicht wirklich europäisch zu sein. Wir wissen, wie Geschichte(n) unerzählt bleibt. Wir wissen, wie komplexe Situationen auf leichtverdauliche Eindimensionalitäten heruntergebrochen werden. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn unsere Mitmenschen glauben, wir wären indoktriniert/ aufgehetzt/ asozial/ Feinde des Sozialismus (= der guten Sache). Wir wissen, wie schwer es ist, zu verzeihen. Bespitzelung, Zerstörung persönlicher und beruflicher Beziehungen, Schweigen, Angst. Angst, nicht vor dem Gefängnis oder dem Tod. Nein, Angst vor der gesellschaftlichen und sozialen Ächtung. Wir wissen, wie komplex und kompliziert ein Systemwechsel ist. Und wir wissen, wieviel Wut entsteht, wenn du dabei nicht mit deiner ganzen Persönlichkeit/ Präsenz/ Schöpferkraft anwesend sein darfst, weil es schlicht niemanden interessiert. Und wenn du endlich deine Wut in Trauer verwandelt hast, dann bist du ein undankbarer Jammer-Ossi. Nun, 30 Jahre später, ist es Zeit für neue Allianzen. Solidarität, Mitgefühl und aufrechten Gang.

Die aktuellen Reaktionen auf den Feind Covid oder Putin sind nicht wirklich überraschend. Ich hätte mir gewünscht, dass ich das NachObenTreiben der totalitären Sedimente in diesem Leben nicht noch einmal erfahren muss. Nun, IHR seht mich wach.

Neuer Folkletter für Leipzig und überall

Mit Empfehlungen zum Hören, Singen, Spielen und Tanzen (Folk/Welt/Trad Musik). Er ist heute und immerdar (also bis sich die InitiatorInnen was anderes überlegen) alphabetisch gerecht eingeteilt in: FESTIVALS/KONZERTE, SESSIONS & TANZ. Viel Freude beim Stöbern – wir sehen uns?

Ihr wollt die Folk News nicht verpassen, dann meldet euch unbedingt gleich an 

Liebe Grüße, Helene, Peggy, Ronja & Wolfgang (also ungefähr die AG Ostfolk, die Palmengarten Balfolk-Session und Teile des Vereins Leipziger Liederszene)

Hat Ingeborg hier mit Freude weiterverteilt!

Wichtige Worte

Waffenstillstand. Neutralität, Autonomie, sprachliche und kulturelle Rechte, territoriale Integrität, europäischer Sicherheitspakt. Aussöhnung. Entmilitarisierung, Abrüstung, Rüstungskontrolle, Konfliktverhütung und Vertrauensbildung. Eine neue Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Deeskalation. Verhandlungen. Wandel durch Annäherung. Frieden.

Und ja, ich darf einem Gewalttäter aufs Maul geben. Die Sache ändert sich, sobald ich Aussenministerin bin, einen Schurkenstaat vor mir habe (oder hinter mir, ähem…) und die Anwendungen ein wenig komplexer werden. Moralische und strafrechtliche Eindeutigkeit in den Beziehungen zwischen Völkern, Staaten, Wirtschaftsregionen usw. sind leider sowas wie “die Wahrheit“. Es gibt sie nicht.

Künstlerische Interventionen

Am 28. Juni geleite ich gemeinsam mit anderen Aktivistinnen die Friedensstatue auf ihrem Weg von Leipzig nach Altenburg. Sie reist am Vormittag mit dem Zug ab. Die Friedensstatue ist ein Symbol der Hoffnung für die ca. 200.000 vor allem koreanischen Mädchen und Frauen, die im Zweiten Weltkrieg von Japans systematischen Entführungen und Zwang zur sexuellen Sklaverei als sogenannte „Trostfrauen“ betroffen waren. Und sie ist ein Symbol der Hoffnung für die Opfer sexuellen Terrors weltweit.

Ich werde mich zu ihr setzen und Rahmentrommel spielen, ein Instrument, was es fast überall auf der Welt gibt – verschiedene Kulturen, verschiedene Sprachen, verschiedene Namen, kreisförmig, recht- oder achteckig. Immer aber ein flacher, mit Fell bespannter Rahmen und immer ähnliche Spieltechniken. Seit dem Frühjahr 2021 sind Rahmentrommeln Teil meiner Musizierpraxis und praktischer Ausdruck meiner Hoffnung, dass es sich lohnt, immer wieder etwas Neues zu beginnen. Dass wir Aussöhnung, Austausch, kreative Auseinandersetzung, Schönheit und Frieden haben können, wenn wir uns dafür entscheiden. Dass Hass, auch Selbsthass, zu nichts weiter führt als zu noch mehr Hass. Dass Gewalt nur traumatisierte und von Hass und/ oder Selbsthass erfüllte Menschen produziert. Es gibt keine gute Gewalt. Nebenbei, es gibt auch keine böse Gewalt. Es gibt Ursachen, es gibt DenkenFühlenHandeln und Entscheidungen bzw. Konsequenzen. Den Teil des christlichen Abendlandes, der sich mit der Einteilung der Welt und ihrer BewohnerInnen in Gut und Böse beschäftigt, könnten wir getrost untergehen lassen. Ein paar Muslime, die die lebensfeindlichen Auslegungen des Korans entrümpeln, finden sich sicher auch und es wäre mal Zeit für Frieden in Palästina und die Abschaffung sämtlicher Ideologien, die Gewalt als Mittel zur Problemlösung verherrlichen. Ideologien sind Gedankenräume, die wir betreten oder verlassen können. Schlimm genug, wenn es nicht anders geht, weil mir nichts anderes einfällt. Ja, das ist dünnes Eis, ich weiß. Darunter lauert das Leben. Es heisst Mehrdimensionalität.

Zum Thema Sex-Zwangsarbeit in den Lagerbordellen hat Roswitha Baumeister gemeinsam mit Karin Kröll ein Gedenkzeichen/ einen Erinnerungsort im ehemaligen Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück geschaffen. Am 1. Mai 2022, zum 77. Jahrestag der Befreiung des Lagers, konnte es eingeweiht werden. Lange haben die Überlebenden geschwiegen. Und lange hat es gedauert, dem Erinnern Raum zu geben.

Gedenkzeichen im KZ Ravensbrück von Roswitha Baumeister/ Karin Kröll – für die Frauen, die Sex-Zwangsarbeit leisten mussten

Wenn DU die Friedensstatue auch in Leipzig verabschieden oder in Altenburg begrüßen möchtest oder beides, schreib mir kurz, ich leite dann die entsprechenden Infos an DICH weiter.

Hintergründe zur Friedensstatue von der AG Trostfrauen

Hier der überaus lesenswerte Artikel der Uni Leipzig/ Japanologie zu Trostfrauen/Friedensstatue

Wenn ein Kater und eine Krähe auf dich aufpassen …

… kann dir an sich ja nix passieren.

Mein Veranstaltungskalender ist aktualisiert. Wie immer: Mach dir mal Mut, Ingeborg Freytag, so schlecht sieht es gar nicht aus. Eigentlich kann ich alles aus vollem Herzen empfehlen. So sollte das auch sein. In meinem Unterrichtsuniversum tut sich auch was und mit „Dreistromland“ proben wir noch. Postpandemische Strukturen und Allianzen.

Über alles andere kann man ja nur noch Heulen, Lachen und AusserSichSein.

Kulturtransfer

Mit Ideen ins Oderbruch und mit Ideen heimgekehrt. Berliner Umland spricht sich um Meilen besser. Mit Installationen und Videokunst lockte die gebürtige Berlinerin Petra Hermann tatsächlich Menschen aus Berlin bis (fast) an die polnische Grenze. In der großen Ausstellungshalle und auf dem Freigelände gab es Objekte von Chris Hinze (nein, nicht der mit der Combination sondern der Ex-Gitarrist von Sandow, die Älteren werden sich erinnern). Petra machte mich ein paar Tage vor der Vernissage auf die „Metallwäsche“ aufmerksam, so konnte ich eine Auswahl an Sticks einpacken und den Garten gedanklich mit einbeziehen. Irgendwann verstand das Wetter dann auch, dass wir es ernst meinen und mit dem teils heftig böigen Wind zogen auch die Regenwolken weiter. Zumindest für die nächsten zwei Stunden, was für die Ausstellungseröffnung von Petra mit meiner Musik und ein inspirierendes Zusammensitzen am Schul-und Bethaus Altlangsow völlig reichte.

Nun plane ich einen Stipendiums-Aufenthalt. „Wenn du es im Leben zu etwas bringen willst, musst du lernen, die Staubflusen unter dem Bett zu ignorieren.“ Soll einst Marie Curie zu einer jugendlichen Assistentin gesagt haben. Das mit dem ignorieren funktioniert besser, wenn ich nicht zuhause bin.

Und: Die Aufgaben warten nicht, bis ich sage, hm, ich wär dann mal soweit. So finde ich mich nun in der überaus seltsamen Situation wieder, ein Instrument nicht so meistern zu können, wie ich es gerne hätte und trotzdem bereits jetzt damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Naja, Zauberwort mit vier Buchstaben: NOCH. Noch nicht. Mit NOCH kannst du die Dinge vom Nichtberg wieder zurück ins Leben transportieren. Auf dem Nichtberg landen alle Inhalte mit NICHT. Wir zaubern alle ständig und die meiste Zeit ohne zu verstehen, dass wir das tun. Ich übe mit möglichst viel Hingabe und möglichst wenig Willen und versuche alles so zu machen, wie ich es sonst immer meinen Studentinnen und Studenten empfehle. Zwischendurch gehe ich raus und sehe, wie alles doppelt so groß, doppelt so bunt, doppelt so grün wächst und blüht. Wie sagte RoB so richtig: Die Erde ist nicht bedroht, der Mensch ist bedroht.

Ingeborg Freytag als Gast auf dem neuen Album von Maria Schüritz

„The Humming Trees“ bei mdr Kultur

Unsere Stringband ist zu Gast bei „Folk und Welt“ mit Grit Friedrich am 18. Mai um 21.00 – wow, „The Humming Trees“ im Radio.

Mit uns die üblichen 60 min. musikalische Neuentdeckungen, das lohnt sich sowieso!

Und Ingeborg hat bis Oktober ein Stipendium vom Musikfonds und ist seit gestern Gast auf Maria Schüritz‘ neuem Album (schöne Studio-Session, danke Ali!) und überhaupt …. Die Frauen um mich herum initiieren, tragen und halten Netzwerke – wir pflegen Austausch und Zuhören, die Weitergabe von Wissen und bestehen auf Anteilnahme, Beistand und Unterstützung. Noch ist nichts verloren sondern alles wieder da!

Resist! IF 1-22

Leipziger Frauenlauf am 15. Mai 2022

Nach der pandemischen Zwangspause 2020/ 2021 gibt es am Sonntag endlich wieder den Leipziger Frauenlauf im Clara-Zetkin-Park mit zwei Auftrittsgruppen aus meinem Unterrichtsuniversum Drums & Chants! Wir unterstützen das 1. Autonome Frauenhaus Leipzig und erinnern uns auch an die Zeit, als Frauen keinen Marathon laufen durften. Noch nicht lange her.

Wir spielen westafrikanische Trommelmusik an der Strecke, ermuntern die Läuferinnen und unterhalten das Streckenpublikum. Ich stehe mit meiner Gruppe an der Sachsenbrücke, die zweite zu bejubelnde Band spielt an der Rennbahnbrücke (der verlängerte Rennbahnweg). Besonders freue ich mich, dass mein wunderbarer Kollege Torsten Pfeffer mir beisteht und mit uns einen Ausflug in den afrikanischen Rhythmusdschungel macht. Möge es vergnüglich enden! Bitte die Regentänze auf den späteren Nachmittag verlegen ….

Wir spielen ab ca. 9.45 bis ca. 14.00 und freuen uns über geneigten, jubelnden Publiwitsch!

Streckenplan Leipziger Frauenlauf 2022

Denkhilfen

Ein Artikel von den nachdenkseiten. Hier schildert ein Mann mit Westsozialisation u.a. seine Vorbereitung auf die „Gewissensprüfung“ für die Verweigerung des Kriegsdienstes.

Moralische Zwickmühlen können sehr unterhaltsam sein, wenn sie fiktiv sind. Allerdings basieren sie eben alle auf der Annahme, es gäbe nur zwei Lösungen, die noch dazu beide schlecht sind. In die Kindererziehung übersetzt: Möchtest du die Tracht Prügel lieber von mir oder wollen wir warten bis Papi nach Hause kommt? Die Person, die die Frage stellt, diktiert die Bedingungen und den Raum, in denen die Antwort wohnt. Im Unterschied zum Kind ist es der erwachsenen Person möglich, die Bedingungen zu verweigern, die nur eine Auswahl zwischen zwei unakzeptablen Möglichkeiten vorsehen. Theoretisch.

Nicht schimpfen. So sind Hippies eben. Auch wenn sie jetzt Raver heissen. Oder so.
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