WaterSpirits

Meine aktuelle Arbeit ist online. Die Wassergeister sind erwacht und verändern die Welt. Auf jeden Fall meine. Fotos aus dem Striegistal, vom Werbeliner See (da wo einst das Dorf Werbelin stand), vom Hainer See, der Insel Rügen (Putbus/ Neuendorf/ Wreechen/ Thiessow), den Gärten der Welt Berlin, aus Lübeck. Wassermusik und Gesinge aus dem Ilmpark Weimar. Geige und Glockenspiel von Ingeborg Freytag aus dem Wolfsbau MKB, Handpan von Nora Thiele aus der (Ex)Notenbank Weimar. Es war schön, zu fühlen, wie sich alles fügte.

Jetzt/ Hier/ Ich bin

Gestern hörte ich auf MDR Aktuell, wir müssten wegen der Energieversorgung und allen anderen Problemen auch mit Staaten zusammenarbeiten, die keine Demokratien sind oder es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen. Ich brach in hysterischen Frohsinn aus und fuhr erstmal rechts ran … Machen wir. Hauptsache, sie sind keine Russen, dann ist alles gut. Unsere Außenministerin freut sich über den türkischen Präsidenten, der (wahrscheinlich auch jetzt im Moment) mit türkischen Soldaten auf syrischem Boden auf kurdische Menschen schießen lässt. Die Ayatollahs im Iran machen meinen Schwestern dort ganz absurde Kleidervorschriften und noch andere, womöglich schlimmere Sachen, aber das ist ja egal – wir brauchen Energie! Gas! Öl! Schnurps! Ja, ich weiß – ohne Strom funktioniert mein Rechner nicht. Und deiner auch nicht. Ich kann nicht schreiben – du kannst nicht lesen.

Valeri/ Ingeborg/ Harald/ Jens – eine Collage

Aber ich habe grade den Sachbericht für mein aktuelles Stipendium hochgeladen, mich auf 5000 Zeichen zu beschränken, war dabei an sich die größte Herausforderung 😉

Phhhhh. Wie sagte mein Schlagzeugprofessor Siegfried Ludwig gerne und so richtig: „Und Ingeborg, das Atmen nicht vergessen.“ Danke, Ludi. Mach ich.

Whats going on

Marvin Gaye tröstet mich. Vielleicht auch dich. Hör ihn dir an. Whats going on.

Father, father/ We don’t need to escalate/ You see, war is not the answer/ For only love can conquer hate/ You know we’ve got to find a way/ To bring some lovin‘ here today

Hier stehen Valeri, Natascha, Jens und Ingeborg. Арт-Клуб АВИАТОР. Wir sind Kreative. Wir schreiben Texte und Musik, wir führen Regie, zeichnen, singen, spielen deutsche und russische Instrumente. Wir haben russische, ukrainische, ostdeutsche, westdeutsche, wolgadeutsche, polnische und tatarische Wurzeln. Das ist Europa. Das ist die Welt. Wie geht jetzt Hass? Ich weiss es nicht. Ich muss mich selbst hassen und meine Ahnen. Und meine Freund!nnen, Kolleg!nnen. Wie soll ich das machen? Kann mir das mal bitte jemand erklären? Bitte!

Es gibt ein anderes Russland. So wie es trotz unserer schmerzhaften Geschichte ein anderes Deutschland gibt. Ist Krieg wirklich besser als Heilung unserer traumatischen Erfahrungen? Wie können wir innehalten? Es gilt, die Lebensaufgaben anzugreifen, nicht den Feind. Gerda Weiler. Naja, seit wann hören wir auf Frauen. Und Weicheier, die Frieden wollen. Und reden. Draufhauen ist schön! Bumm! Hippies in die Klangschale kacken, jawoll. (Steht ohne jawoll in Leipzig- Connewitz an der Wand.)

Erinnere dich.

Anna Achmatowa. Marina Zwetajewa. Isaak Dunajewski. Dimitri Schostakowitsch. Wladimir Wyssotzki. Mascha Kaleko. Nikolai Rimsky-Korsakov. Bulat Okudschawa. Tschingis Aitmatov. Michail Bakunin. Daniil Charms. Fjodor Dostojewski. Jessenin. Jewtuschenko. Maxim Gorki. Boris Pasternak. Aram Chatschaturjan. Dimitri Kabalewski. Michail Glinka. Igor Strawinsky. Michail Bulgakow. Und … Und ….

Leipzig/ Autofenster

Zum Gedenken

… an Viktor Freytag, meinen Großonkel, gestorben als Offizier im 1. Weltkrieg, am 28. August 1918 im Alter von 23 Jahren. Danke an meine Schwester Martina, die die „Übersetzung“ des Erinnerungsbuches aus dem Sütterlin in Auftrag gab. Ich zitiere aus einem „Brief an Felix“ vom 16. April 1916, Kowno (russ. – lit. Kaunas, dt. Kauen).

„Was für eine schreckliche Zeit wird das werden nach dem Kriege! Alles bekommt den Größenwahn, alles schleppt in blinder Hast die finstersten Ideale herbei und hält sie natürlich für unentbehrlich für den Bau des neuen Deutschlands. Jeder erhofft die Verwirklichung seines Cliquenprogramms, jeder will die Welt an deutschen (d.h. dem seiner Partei) Wesen genesen machen. Wenn der Geist unserer Regierung und unseres Militärs die Oberhand behält, mag es noch einigermaßen gehen; aber vom deutschen Michel gilt: „Wehe wenn er losgelassen“, dann ist er unerträglich, dann fehlt ihm die französische Grazie, der englische nüchterne Blick, die russische Naivität und Tiefe, dann fehlt nicht viel am „Barbaren“. Ich glaube nicht, dass ich da zu schwarz sehe. Schon der Krieg macht ja viele geistig unzurechnungsfähig. In den Monatsberichten der Freischar diskutiert man nichts als: Freischar und Krieg, Alkohol und Krieg etc. und behauptet allen Ernstes, Freischararbeit sei jetzt, mit dem Krieg innerlich fertig zu werden. Überhaupt müsse dieser Krieg für jeden jungen Menschen das größte Erlebnis sein! Zu öde! Ideen wie Mitteleuropa und Rassenhygiene vermögen sie allenfalls in ihren Köpfen zu beherbergen. Warum ist nur der wahrhaft wissenschaftliche Mensch so selten und einsam? Der nüchtern in die Wirklichkeit schaut, weil nüchterner als die flache Jugendbegeisterung, aber mit seiner ganzen Seele in jenen anderen, reinen Sphären wohnt. Manchmal ist man versucht, an sich selbst irre zu werden, weil man gar so wenig Gesinnungsgemeinschaft findet.“

Viktor war ein Wandervogel, ich vermute, dass „Freischar“ sich auf diese Bewegung und nicht auf die Eliteeinheiten der Freikorps bezieht. Die eigentlich auch erst nach dem 1. Weltkrieg entstanden.

Zwischenwelten

Unser LiveHörSpiel (Ingeborg Freytag und Maria Schüritz) nimmt Formen an. Am 27. März drehen wir einen Film dazu in einer zauberhaften kleinen Produzenten-Galerie in Leipzig. Wieso einen Film? Weil wir denken, es könnte spannend sein, zu sehen, wie das ganze entsteht – der Plan ist außerdem, gänzlich ohne Schnitte auszukommen. Wir spielen Songs von Maria und instant compositions von uns beiden. Ja, das geht zusammen. Es hat keinen Sinn, immer der Musikindustrie die Schuld zu geben. Wir, die Kreativen, müssen selbst neue Formate finden, bearbeiten und verteidigen. Unsere Fans bekommen vielleicht einen Schluckauf, aber sie erholen sich wieder. „Endlich mal Neue Musik, die man versteht und die einem auch ans Herz geht.“, jubelte mal eine Frau nach einem Solokonzert von mir. Da fühlte ich mich verstanden.

Ich freue mich sehr, dass Ralf Braungart (Anim-Studio Gera) mich/ uns unterstützt! Hier unsere letzte Zusammenarbeit, der Konzertfilm für LOHARANO – german malagasy song project.

Und zur Erinnerung, von Laotse/ Laudse, der im 6. Jahrhundert vor unserer Zeit lebte. Wenn es ihn denn gab. Die Nr. 69 aus dem Tao Te King/ Daudedsching. Es sei allen derzeit politisch Agierenden ins Poesiealbum geschrieben. . . . .

unter strategen gibt es das wort:

ich wag nicht als herr einzutreten, ich komme lieber als gast

rück lieber zurück eine elle als vorwärts ein zoll

das nenn ich vorankommen ohne vordringen

schlagen ohne armbewegen

den feind vertreiben ohne feindseligkeit

gewappnet sein – doch ohne waffentragen

kein größres übel als den feind unterschätzen

das bringt mich leicht um meine schätze

wo sich im kampfe gleiche gegner messen

siegt der mitleidige

Am Hainer See

Zum Frauentag

Das schrieb mir grad meine wunderbare Kollegin Brunhild Fischer.

„Zum Internationalen Frauentag 2022 an alle Frauen dieser Welt, für alle Menschen dieser einen Welt:

Jedwede Gewalt zerstört das Lebenswerk von Frauen, von Frauen geschöpfte Werte, geborenes Leben, Liebe, Zärtlichkeit, Frieden, Geborgenheit und Wachstum.

Nicht der KRIEG, sondern bereits die WAFFEN zerstören das von uns Frauen ins Licht der Welt gebrachte Menschenleben – das muss allen bewusst sein.

Die Gedanken und Worte des Hasses, der Ausgrenzung und Diskriminierung, der von Menschen gemachte Tod haben in meinem, in unseren Herzen keinen Raum.“

Erdbild im Störmthaler See (vor der Flutung) – Projekt ERDHERZ 2010 – Ingeborg Freytag und Juliane Viktoria Scholz

Der Internationale Frauentag ist übrigens keine Erfindung der SED-Diktatur, sondern stammt aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Damals ging es vor allem um einen Kampftag für das Frauenwahlrecht.

Apropos vor dem 1. Weltkrieg: „Wir sind im Besitze von so gewaltigen Vernichtungskräften, dass jeder von zwei Gegnern geführte Kampf nur Doppelselbstmord wäre. Wenn man mit einem Druck auf einen Knopf, auf jede beliebige Distanz hin, jede beliebige Menschen- oder Häusermasse pulverisieren kann, so weiß ich nicht, nach welchen taktischen und strategischen Regeln man mit solchen Mitteln noch ein Völkerduell austragen könnte.“ (Bertha von Suttner)

Ich dachte eigentlich, der Heldentod fürs Vaterland als Lebenskonzept wäre abgeschafft. Aber nein. Offensichtlich sind wir eine Spezies, die das Lernen verweigert. Da haben wir ja Glück, dass das Universum nicht moralisch ist. Und dass die schöpferischen Kräfte desselben immer noch Geduld mit uns haben.

Wege zum Frieden

Hier verlinke ich aktuell zum Appell der „Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges/ Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V.“ an die Bundesregierung, in dem, wie ich finde, sehr klug und mit gebotener Sachlichkeit die notwendigen Schritte zum Frieden in Europa notiert sind. Du kannst ihn auch mitunterzeichnen, wenn du willst. Die Instrumentalisierung von Menschen mit Friedenstauben und hilfsbereiten Herzen, die Dämonisierung des russischen Präsidenten, der russischen Musik und überhaupt von allem was aus Russland kommt und die Verbreitung von Hass, Hetze und Hysterie in den Medien muss beendet werden. Wir sind alle aufgerufen, uns jeglicher Eskalation und Kriegstreiberei in Sprache und Handlungen zu enthalten. Das gilt natürlich auch für unsere gewählte Regierung. Die privaten, sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen in Russland und der Ukraine sind vielfältig und nicht zu trennen. Der Krieg verursacht bereits jetzt unsägliches Leid und Verwüstung in den Menschenseelen.


Über die aktuell stattfindende Retraumatisierung der Menschen, die Krieg und Nachkriegszeit in Deutschland als Kinder durchlebt haben, wird zu reden sein.

Gut, dass wenigstens das Coronavirus auf Heimaturlaub ist.

Nie wieder Krieg

Ich bin fassungslos. Ich erwarte von meiner demokratisch gewählten Regierung, dass sie, wenn denn das Haus schon brennt, nicht noch Benzin hinterherkippt. Der russische Einmarsch in die Ukraine ist ein Verbrechen. Ja. Das ist ja klar. Aber dieser russische Einmarsch hat ein Vorgeschichte. Ich erwarte, dass sie mitbedacht wird. Wenn es hier überhaupt noch um Denken geht. Die gerade erwähnte Christel Hartinger sagte mir 2015: „Ingeborg, wir müssen aufpassen. Die Spalter sind unterwegs. Und die Kriegstreiber.“ Ich wuchs auf in einer Welt mit zwei hochgerüsteten Militärblöcken, einer wahnwitzigen Rüstungsspirale und der ständigen Bedrohung eines Atomkrieges. Welcher Blödmann hat nochmal gesagt, dass Geschichte sich nicht wiederholt?

Wie sie sich alle freuen, dass es endlich wieder losgeht. Und ja, das wird auch Auswirkungen auf Deutschland haben, aber das nehmen wir ja gerne in Kauf. Es geht doch um unsere Freiheit. Endlich lindnern lernen. Und baerbocken. Da erbleicht die Rahmentrommel und fällt aus demselben. Herr, wirf Hirn vom Himmel! Bitte!

Ich glaube, es war Luisa Teish: Liebste Göttin, schenk ihnen eine plötzliche Einsicht in die Konsequenzen ihres Tuns. Oder so, ich kann das Zitat grade nicht suchen, weil ich nicht bei dem Buch bin.

Die Wassergeister von Rügen wissen mehr.

Imagine … stell dir vor …

… und hör nicht auf, dir vorzustellen, es könnte Frieden geben. Zuallererst stirbt unser Vorstellungsvermögen, unsere Phantasie, unsere Kraft zur Imagination. Die Kraft, dem Gewebe andere Fäden hinzuzufügen. Der Krieg beginnt in MEINEM Herzen. Ich glaube fest daran, dass er genau dort auch endet. „Imagine“ wurde heute gesungen am Brandenburger Tor. „Imagine“ sang ich 2005 auf der Kundgebung auf der Bühne am Augustusplatz. Da standen die Sozialschmarotzer und waren fassungslos über die Einführung der Hartz 4 Gesetze. Christel Hartinger, eine Freundin, aufrechte Sozialistin und Friedensaktivistin, bat mich: „Kannst du kommen und singen, damit wir Mut haben, obwohl es dafür keinen Grund gibt?“ Ich erinnere mich gut an die Stimmung im Land, damals. Da war aber mal Schluss mit der sozialen Hängematte! Die Unbarmherzigkeit in den Herzen der Menschen, die doch genau eine unbezahlte Autorate und eine Firmeninsolvenz von derselben Situation entfernt waren, in der die Menschen waren, die sie verurteilten. Was ist das nur. Nun also wieder mal der Russe, die Terroristen, Hartzer, Flüchtlinge und Ungeimpften waren wohl zuwenig effizient als Feindbilder…. Diplomatie bedeutet, die Dinge vom Standpunkt des Gegners aus zu betrachten. Auch dann, wenn der Gegner das nicht tut! Wenn mir noch einmal jemand was von den westlichen Errungenschaften und zivilisatorischen Überlegenheiten faselt ….! Phhhh ….

“so hab ich mir das nicht vorgestellt als ich mir wünschte corona würde aus den schlagzeilen verschwinden und die virologInnen möchten doch bitte in ihre labors zurückkehren…“ So schrieb heute Luisa Francia.

Back to the sea

Auf dem Weg ans Meer und nach Berlin, ich freue mich so sehr auf inspirierende Begegnungen mit Mensch und Natur! Kurz innehalten in der ganzen Organisationsarbeit, die so viel, fast zu viel geworden ist … einen klaren Kopf gewinnen, neue Ideen generieren und Impulse aufnehmen. Ich habe grade ein neues Stipendium beantragt, übe Rahmentrommel und freue mich, dass ich wieder mal verstehen darf wie es Beginner!nnen geht. Und Menschen, die sich autodidaktisch was einüben, was erstmal ganz gut geht, aber leider später nicht den Deckel nach oben öffnet. Kshhhh …

„Zwischenwelten – ein experimentelles LiveHörSpiel“, mein Projekt mit Maria Schüritz nimmt Gestalt an. Zwischenraum. Zwischen den Fronten. Zwischen den Generationen. Zwischen den Stühlen. In der Zwischenzeit. Zwischenablage. Der Unterschied zwischen hops und plops. Leer-Raum füllen. Neue Möglichkeiten erfinden und erproben.

Der geplante Livestream wird gemorpht. Näheres bald hier oder unter https://ingeborg-freytag.de/veranstaltungen/

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