Der persönliche Raum

Raum – Kontrolle – Tod

Raum. Mein persönlicher Raum. Wieviel Raum brauche ich? Wieviel Raum beanspruche ich? Wer besetzt meinen Raum? Wem muss ich Platz machen? Alles Fragen, die du dir als Frau in dieser Welt natürlich längst gestellt hast. Da kommen Beschränkungen des Raumes nicht überraschend.

Kontrolle. Er, der Herr der Welt kontrolliert natürlich alles. Nun stellt sich heraus, dass Er, der Herr der Welt, ein unsichtbares Virus nicht kontrollieren kann. Das ist bitter, zumal es ja nicht mal einen Penis hat, das Virus – ja genaugenommen nicht mal lebt. Skandal. Wer ist nun schuld an diesem Kontrollverlust?

Tod. Als bekennende Hobbyethnologin stehe ich verwundert vor der schon eine Weile raumgreifenden Idee, sterben wäre so eine Art Unfall. Erinnert mich an Reiseberichte aus dem Amazonasgebiet oder dem Kongo – von 1880 oder 1970. Die ach so primitiven Menschen, die glauben, Krankheit und Tod werden von bösen Geistern oder missgünstigen Verwandten verursacht. Wir müssen gerettet werden. Ich dachte immer, unser Herr Jesus Christus hat das schon erledigt. Hm. Fragen über Fragen.

Schnee und Blitz

Wintergewitter. So seltsam. Platz zum Denken.

aus LaoTse Taoteking XXI

Wesen / unsichtbar / ungreifbar /

Beschließt alle Dinge.

Wesen / undeutbar / unbestimmbar /

Wirkt Werdung aller Dinge.

Wesen / untrennbar / unverbindbar /

Schafft Formung aller Dinge.

Seine Leere ermöglicht Innen Halt.

Innen Halt erzeugt Inhalt.

Berliner Fundstücke

Lebensgefühl. Bilder. Geschichten. Wir sollten sie sammeln. Könnte noch mal wichtig werden – oder Minimum interessant.

Berliner Schaufenster vom letzten Wochenende.

Ein großartiges Buch, um zu verstehen, wie lange vorher es schon 19 Uhr 89 war. Und wie wenig das eigentliche Ziel mit dem zu tun hatte, was wir erreicht haben.

100 Jahre vor meiner Geburt gründete sie den Leipziger Frauenbildungsverein und den Allgemeinen Deutschen Frauenverein. Luise Otto-Peters (ja, so alt ist der Doppelname schon ….)!

Runterkommen

Ich habe mir wieder mal etwas NachrichtenUndAussenwelt – Detox verordnet. Vor ein paar Tagen las ich die interessante These, dass unsere derzeitigen Bewegungseinschränkungen ja denen, die wir geflüchteten Menschen zumuten, durchaus ähneln. Residenzpflicht, Arbeitsverbot, von Sicherheitskräften in der Unterkunft bewacht …. Ist das jetzt so eine Art angewandtes Empathietraining?

Und mein Satz von 1990 tauchte wieder auf, mit dem ich den neugewonnenen KollegInnen aus Westdeutschland meinen Gemütszustand zu bebildern versuchte: „Ich fühle mich wie eine Emigrantin im eigenen Land.“ Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass mich der Exilgedanke und ein gewisses Unbehaustsein in den letzten 30 Jahren eigentlich nie verlassen hat. Und die 15 Jahre davor die allgegenwärtige Bedrohung des atomaren Wettrüstens zweier wildgewordener Supermächte mich/ uns untergründig (oder alltäglich) beanspruchte und beschäftigte. Trotzdem habe ich von Schönheit, Glück und Reichtum erfüllt gelebt. Und in den 10 Jahren davor verstand ich noch nicht, was Unbarmherzigkeit, Gier und Schwanzvergleiche sind. In gewisser Hinsicht hält mein sonniges Gemüt es immer noch für eine Art Ausnahme. Einen Irrtum, der darauf basiert, dass die betreffende Person nicht weiß, was sie stattdessen tun könnte.

Also „come down“ statt „lockdown“. Was finde ich auf dem Boden der Tatsachen?

Neue Kulturräume träumen!

Letzte Nacht träumte ich, dass ich gemeinsam mit jungen Menschen ein Veranstaltungs- und Probehaus, einen Ort für musikalische Kreativität und Tanz, aufbaue. Es war eine Art ehemaliges Tagungszentrum, wo vorher Wirtschaft und Industrie große Treffen, Messen usw. abgehalten hatten. Danach stand es wohl eine Weile leer, weil es die Wirtschaft nicht mehr gab …. oder so. Wir nahmen alles in Besitz, machten das Beste aus dem Zustand, reparierten wo nötig, putzten die vergammelten Klos. Wie vor 30 Jahren. (Und vorher in der DDR natürlich auch schon, unsere Proberäume wurden ja nicht mal mehr als Ausbauwohnungen vergeben ….) Und irgendwie wohnten wir auch alle da. So wie damals in den Fabriketagen in New York oder Westberlin. Von dem Haus nebenan hatte ich ein paar Nächte zuvor schon geträumt, da hatten sich befreundete SchauspielerInnen eingenistet. Noch während ich träumte, dachte ich: oh wie schön, alles wird neu, wir träumen die Welt um und wir räumen sie um und neben mir, mit mir sind junge Menschen, die Lust haben, Mut haben und Zuversicht und Kraft. Ich bin nicht allein.

Ja.

die fiese krise

Immer mal wieder sitze ich da und ächze: „Wenn ich so arbeiten würde ….“ Vorzugsweise, wenn mir grade eine ignorante Person begegnet ist, die trotz gutem Zureden, Verständnis und Geduld nicht bereit ist, Gedanken und Handlungen, die nachweislich bestenfalls zu gar nichts führen, aufzugeben. Oft ist es leider so, dass Menschen die Macht haben, ihr Denken und Handeln nicht ändern zu müssen. Wahrscheinlich ist sogar, dass nur deshalb Machtpositionen angestrebt werden. Nun kann ich mir ja mein inneres Multiversum so einrichten, wie ich will. Meine „Macht von Innen“ kann mir helfen, zu überdauern und zu beharren, obwohl es nix bringt. Sobald andere Menschen ins Spiel kommen und ich ev. sogar über einen Erzwingungsstab verfüge, um meine ganz privaten Gedanken anderen als Norm überzuhelfen, sieht die Sache anders aus.

Wenn das, was im Moment grade politisch entschieden wird, sich an Mehrheitsfähigkeit orientiert, dann weiß ich doch endlich mal, was die politische Klasse eigentlich von mir hält. Hm. Eine befreundete Psychologin und Therapeutin fragt immer gerne: „Was muss ich tun, damit alles so bleibt, wie es ist?“ Ich finde ja gute Fragen viel spannender als (gute) Antworten. Warum gibt es soviele Männer in Machtpositionen? Genau.

An jedem Tag brauchen wir etwas, was uns erfreut, erheitert, tröstet, inspiriert oder oder. Mir kam grade die schöne Zeile wieder in den Sinn:“ Was ein gelernter Ostler ist, der knietscht sich in die Sitze, erinnert sich an seinerzeit und denkt sich seine Hitze!“ Hier das Stück von der CD „Der Durchbruch“, die ich 1996 als Studiomusikerin (Schlagzeug und Geige) begleiten durfte. Natürlich lange her, natürlich. Rentnerkaffeefahrt

UND: so gesehen bei der Leipziger Internetzeitung, ein Transpi von „Die Partei“. Außerdem mal wieder lesen, „Die Lösung“ von Brecht (1953).

Der Schnee ist da

Der Neujahrstag begann in vollkommener Stille, mit zarten Meisentönen und auf die Terasse tropfendem Wasser. Ich habe im letzten Jahr öfter darüber nachgedacht, wie sich der Beginn des Industriezeitalters wohl angefühlt hat. Der Lärm der Maschinen, die Eisenbahn mit rasant wachsendem Netz, der Rückzug der Stille. An der Westküste Madagaskars konnte ich die Ohren öffnen ohne etwas anderes zu hören als Stille. Nun hier in der mitteldeutschen Stadt die zeitweise Abwesenheit vorher allgegenwärtiger Geräusche. Von erholsam bis irritierend ist da alles drin.

Und heute der erste Schnee! Auf der Strasse fahren die Autos, als gäbs kein morgen. Naja, vielleicht gibt es das ja wirklich nicht. Unsere Wahrnehmung der Welt hängt doch sehr davon ab, ob wir gesund sind, genug Essen und Wasser da ist, wie sicher wir uns fühlen, ob unsere Familie umgebracht wurde, das Raubtier Kapitalismus unseren Betrieb und unsere Heimat gefressen hat, ob wir weiß in Ratingen oder schwarz in Bamako sind. Und. Oder.

Heute nacht habe ich geträumt, dass mein/ unser Projektantrag für Lübeck genehmigt wurde und ich mit meinen Kolleginnen Kaffee trinke und lachend die Details bespreche. Na dann!

Ende und Anfang

Ein neues Jahr kommt! Erstaunlich viel ist geschaffen und noch mehr in Vorbereitung. Trotz widriger Umstände. Auch ich mühe mich mit der Einsicht, dass Balance in einer unsicheren Welt immer nur eine individuelle und kurzfristige Gewissheit sein kann. Vieles reift noch in den Fässern des „Gedankenkellers“ (Ringelnatz). Schreiben hilft bei der Beleuchtung der Hintergründe. 

Dass mir und allen Angehörigen der künstlerischen Berufe in diesem Jahr endgültig die „Systemrelevanz“ aberkannt wurde, ist natürlich ein ungeheuerlicher Vorgang. Ein gewisses Maß an Kränkung und Demütigung steht in meiner Stellenbeschreibung – das war und ist mir klar, aber ….. Nun, ich fand es ganz hilfreich, zu überprüfen, wie ernst es mir damit ist, eine Kreative, eine Künstlerin zu sein. Prüfungen kommen ja nie gelegen. Diese Website ist eines der Ergebnisse von „Trotzalledem“. Zur inneren Aufrichtung und meiner persönlichen Freude habe ich viel gezeichnet. Und wie immer rücken die Bewegungen des Stiftes meine Innenwelten zurecht. So ein weißes, leeres Blatt kann ja vieles sein. Herausfordernd, bedrohlich, inspirierend, fokussierend … Oder einfach nur weiß. Und zack, kommt auch eine Melodie.

Viele Kulturen behaupten, es hätte vor ihnen und vor langer Zeit kleine Leute gegeben. Vazimba in Madagaskar, das kleine Volk auf Rügen, die Pikten in England … In der Regel haben sie uns nichts hinterlassen, was ihre Existenz beweist. Geschichten vielleicht und kleine alltägliche Bewegungen, Musik. Da ich ja Künstlerin bin, darf ich mir alles vorstellen – mich erfreut und tröstet die Idee, dass wir es auch bei Viren, Bakterien, weissen Blutkörperchen und anderen unbegreifbaren Wesenheiten mit „kleinen Völkern“ zu tun haben, deren Sprache wir noch nicht gelernt haben. 
2021 wird ein Jahr vertiefter Kommunikation werden. Fische zu überreden, auf Bäume zu klettern, gehört wohl nicht dazu. Integrative Kräfte stärken, Verantwortung für meine Energie, meine Lebenskraft übernehmen. Wahrnehmen, als Wahrheit annehmen: was brauche ich und warum? Ideologien und Machtansprüche überprüfen. Demut und Dankbarkeit sind nicht die Abwesenheit von Mut und Kampfgeist. Eine Kultur des „sowohl als auch“ statt „entweder oder“ wäre ganz hilfreich. Wenn Papa was falsches sagt, ist ja nicht notwendigerweise das Gegenteil richtig.
Und der berühmte  Mutterwitz. Lachen ist natürlich kein Ersatz für eine notwendige medizinische Behandlung, hilft aber auch beim gesund werden/ gesund sein. Betrug aufdecken? Ja bitte und den Selbstbetrug gleich mit. Über die eigenen und die fremden Stereotypen mild verwundert und verständnisvoll amüsiert sein – dass eine/r nicht aus ihrer/ seiner Haut kann, wussten schon unsere Großmütter. Und sie wussten, wie existenziell wichtig Wiederholungsrituale sind – wie wenig sich Krisen dazu eignen, die Werkzeugkiste tatsächlich komplett neu zu befüllen. Bist du mutig genug, deine Haut abzustreifen? Snake Woman Is Shredding Her Skin. Changing Woman Is Changing The World.

Ich wünsche uns allen einen klaren Geist, ein mutiges und solidarisches Herz, helle Träume und instinktsicheres Handeln. Und die wachsende Fähigkeit, sich zu verzeihen, wenn zeitweise mal nichts von alledem gelingt. Wir üben. Und wenn wir etwas üben, werden wir darin besser. So sagt es meine Meditationsleiterin, die auch eine Musikerin und Lehrperson ist. Recht hat sie. Das Proletariat auf dem Gewerbehof, wo sich mein Proberaum befindet, meinte, wir könnten doch so ähnlich wie im „Murmeltier“ das Jahr 2020 so lange wiederholen, bis wir verstanden haben, wie es anders und besser geht. Auch ne gute Idee. In diesem Sinne von einem meiner großartigen Schauspielkollegen von „RambaZamba“: „Mach was Bestes!“

Mutternacht

Eins von zwei Bildern zum Jahreswechsel 2020/ 2021. Mein Herz und meine Gedanken sind heute besonders bei allen an Covid19 Erkrankten und ihren Angehörigen, die mit der Ungewissheit über den weiteren Krankheitsverlauf leben und die Feiertage ohne Kontakt verbringen müssen. Außerdem denke ich an alle Angehörigen der medizinischen Berufe, die in diesen Tagen oder nächste Woche oder in drei Monaten Dienst haben. Ich wünsche mir, dass allen Verantwortlichen in diesem Jahr klar geworden ist, dass unsere Krankenhäuser eine bessere Personalausstattung brauchen und nicht länger Orte marktwirtschaftlicher Effizienz und Gewinnmaximierung sein dürfen.

Auf ein Ende der Hysterie und der Ignoranz als einzige Zugangswege zu den Problemen und Schönheiten dieser Welt … für mehr Kommunikation und Kontakt, auch mit Geschöpfen, die man nicht sofort versteht. Alle Wesen kommunizieren.

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