home of the brave

Ist einem Land zu trauen, in dem Donald Trump Präsident und Deb Haaland Innenministerin werden kann? Ich bin nicht sicher. Sie überraschen mich immer wieder, die AmerikanerInnen und ihre Heimat der Mutigen. Nun wird eine Frau Innenministerin im Kabinett Biden. Frau kann ja heutzutage jeder. Aber eine Frau, halb Laguna Pueblo, halb Norwegerin. Das ist ungefähr so wie bei uns eine Sintiza mit sorbischer Mutter. Naja, hinkt. Aber trotzdem: stell dir vor, unsere Innenministerin hat einen Zigeuner zum Vater und ihre Mutter gehört zu diesem komischen christlichen Volk mitten im gottlosen Osten, die zu Ostern auf Pferden reiten.

Nun also Deb Haaland. Eine native american aus dem Südwesten, da wo matriarchale Strukturen bis zur Ankunft der Eroberer aus Europa und darüber hinaus lebendige Alltagspraxis waren und sind. Ihre AhnInnen, die Anasazi, hatten Probleme mit Dürren und Überbevölkerung, die sie dazu zwangen, Wohnsiedlungen und Felder aufzugeben. Ein Grund, warum wir unsere Vorfahren gern als primitiv bezeichnen, ist ja, dass wir anerkennen müssten, dass auch Hochkulturen spurlos verschwinden können …. Wer weiß schon, welches Virus Atlantis versenkte. Wünschen wir Deb Haaland Glück und einen klaren Geist!

„Home of the brave“, der großartige Konzertfilm von Laurie Anderson (1986), ist auf Youtube zu finden. Ich sah sie live vor vielen Jahren zum Rudolstadt-Festival, am späten Sonntagabend, oben auf der Heidecksburg, von meinem Stagemanager-Job völlig erledigt. Nie vergesse ich diese selbstverständliche klare künstlerische Präsenz.

Und heute ist Wintersonnenwende, nun wird es wieder mehr Licht und es dauert noch bis Lichtmess/ Imbolc am 2. Februar, bis wir es merken. Zur Wintersonnenwende 1996 starb meine Mamma und öffnete mir neue Türen.

Draussen

Sitzen, laufen, lauschen, atmen. Am Wolfssee im Winterlicht. Abseits der Menschenströme. Nur wenige Meter neben den Wegen lauern Schönheit, Überraschung und Stille. Mein Vorbild, die Füchse! Eine Füchsin kann im Gebüsch nebenan einen Baueingang haben und ihre Jungen großziehen und wir bekommen nix davon mit.

„Wir haben nicht falsch gehandelt, wir haben nur zu wenig gemacht.“ (Winfried Kretschmann, Politiker, 2020) Erinnert mich an: „Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch das Pech dazu.“ (Jürgen Wegmann, Fußballer) Den Fehler als kreatives Potenzial wahrzunehmen ist eine alte Strategie der künstlerischen Berufe. Ob die pure Umdeutung der Pleite in Erfolg schon kreativ ist? Oder einfach nur „man schlawinert sich so durch“? Nach dem Scheitern den Kopf zu heben und was neues anzufangen, hat wohl auch mit Übung zu tun, sagen die „ErfolgreichTrotzPleiten“-Coaches. Naja. Ob Corona nun grad ein gutes Übungsfeld ist. Nur ein Narr macht immer dasselbe und erwartet jedes Mal andere Ergebnisse, heißt es. Auch jetzt: Spielräume finden und nutzen. Atmen, denken, bewegen. Und die Elemente besuchen und ehren. In Kontakt gehen. Zuhören. SEIN-Lassen. Nicht alles, was wir nicht sehen/ hören/ wahrnehmen können, existiert auch nicht.

Hier mein Feuer von gestern, bzw. das Ergebnis des Feuers.

In Schönheit gehen


Diese Essenz eines Heilungsgebetes der Navajo fiel mir wieder ein. Vor vielen Jahren gab ich einer Ausstellung mit meiner Grafik&Malerei diesen Titel. Wenn die Bibliotheken wieder aufmachen, suche ich mal das Buch mit dem Originaltext.

In beauty I walk
With beauty before me I walk
With beauty behind me I walk
With beauty above me I walk
With beauty around me I walk
It has become beauty again

Und ich denke grade über Kreativität nach. Kreativ denken, kreativ handeln, kreativ SEIN bedeutet für mich vor allem, nie mit nur einer Möglichkeit zufrieden zu sein. Gibt es scheinbar keine Wahl, suche ich nach anderen Möglichkeiten. Nur EINE weitere Möglichkeit zum auswählen ist schon prima ………. Komplexität und Mehrdimensionalität, Kommunikation und Zusammenarbeit bestimmen das Leben. Die Gesetze des Lebens gelten auch für uns Menschen. Wann immer ich denke, es gibt nur diesen einen Weg, mache ich mich auf ins Gebüsch oder zur nächsten Kreuzung. Und siehe da – eine neue Melodie, ein neuer Staat, ein neues Projekt, eine andere Form, ein anderer Inhalt, eine Änderung der Blickrichtung. Künstlerische Kreativität und Kreativität im Alltag, was gibt es besseres.

>>> Wahrheit, Anmut, Rohheit, Mythos, Zärtlichkeit, Schönheit – daran arbeiten wir uns nun schon ein ganzes Leben lang ab. Und wissen immer noch nichts genaues. Probieren wir also unverdrossen weiter. Besseres haben wir nicht zu tun. <<< (Renate Göritz)

Lila Wunder in Berlin

„1920 Begegnungen und Verbindungen /// 2020 sichbar werden – sichtbar bleiben“

In der kunsthistorischen Betrachtung und Einordnung wird lesbischen Lebensentwürfen, Beziehungen und Netzwerken kaum Bedeutung zugemessen. Dass etwas selbstverständlicher Teil einer Vielfalt ist, setzt natürlich die Anerkennung von Vielfalt voraus. Damals wie heute eher problematisch – Einfalt ist wie Einfachzucker eben auch eindimensionaler und einfacher.

„Lila Wunder“, eine Ausstellung im „Queeren Kulturhaus/ Projektraum Kunst&Kultur“ in Berlin. Ich bekam eine coronakonforme Privatführung und konnte auch noch ein paar Sounds einfangen – das ist umso schöner, als das Haus Potsdamer 120 demnächst abgerissen und durch ein Hochhaus ersetzt wird. Mittendrin fuhr ein Motorradkorso minutenlang hupend durchs Bild, lauter Weihnachtsfrauen und -männer, Christkindl und Blinkelämpchen und Weihnachtsbäume auf kleinen bis sehr großen Maschinen und Quads. Großes Theater. Essenz: Nicht warten. Ideen generieren, planen und ankündigen. Vorbereitet sein. Proben und üben und Flyer drucken. Absagen und verschieben geht immer. Verstehen dann auch alle. Nicht warten. Unser Leben geht währenddessen vorbei.

la corona de la creación

Stillwerden. Nachdenken. Über die Rolle des Menschen auf der Welt, auf der Erde, in der Schöpfung, im Kosmos. Über die Rolle von Pflege, Fürsorge, Musik, Ritual und sozialer Kultur – Heilen, Helfen, Bilden, Lehren, Trösten, Singen und Loslassen. Brauchen wir denn wirklich eine Hierarchie der Wichtigkeiten? Baumarkt ist besser als Theater? Mensch ist besser als Virus? Leben um jeden Preis ist besser als Sterben zur richtigen Zeit? Antworten ist besser als Fragen? Was wir mit Sicherheit im Moment nicht brauchen, sind weitere eitle, selbstgefällige, machtbesessene, mediengeile und bis zum Überdruss dumme Männer, die „die Wahrheit“ kennen. Ich bin es müde. Krankheit und Tod sind integrale Bestandteile des Lebens. Mögen alle lebenden Wesen lernen! Soweit man hört, lernen Viren ziemlich gut, obwohl sie nicht leben (sagen die Wissenschaftler). Hm. Danke Corona. Das Bild habe ich gemalt für meine Crowdfunding-Kampagne im Frühjahr. Hier noch mal vielen Dank an alle UnterstützerInnen, auch von meiner „Musikerfamilie“ in Madagaskar! Ich konnte mit Eurer Hilfe ganz konkret helfen und etwas die Zeit überbrücken, in der meine Kollegen nicht reisen und in Europa Geld verdienen können.

being a woman artist

Immer wieder schön! Die Guerrilla Girls sind eine anonym operierende Gruppe feministischer Aktivistinnen und Künstlerinnen. „Wenn du es schaffst, jemanden über eine komplexe Sachen zum Lachen zu bringen, hast du Zugang zu seinem Gehirn. (…) Dann haben wir die Möglichkeit, das Denken zu verändern“, erklärte 2007 eine der Aktivistinnen. Deutlich wird das zum Beispiel an ihrem Plakat von 1985, das fragt, ob Frauen etwa nackt sein müssten, um ins Met-Museum zu kommen. „Als wir anfingen, wollte niemand zugeben, dass er Frauen oder nicht weiße Künstler diskriminierte. Heute setzen viele Museen stärker auf Inklusion. Aber es bleibt schwer, dieses große Schiff zu wenden.“

E.622-1997 Offset colour lithograph Artwork by Guerilla Girls POSTER promoting feminist message : Do Women Have to Be Naked to get into the Met. Museum

Friedensgebet in der Nikolaikirche am 23.11.

Auch dieses Jahr gab es wieder ein Friedensgebet anläßlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen, gestaltet von der GEDOK und SHIA. Diesmal unter Pandemiebedingungen. Und mit Livemusik im Rahmen des Gottesdienstes. QAnon war vor Ort und malte Qs in den Raum. Großes Theater. Hab ich der Göttinseidank nicht mitbekommen, wer weiß, wäre sonst der Satan in meine Geige gehüpft. Oder aus ihr heraus. Wahrlich, wir leben in finsteren Zeiten. Hier zur Auffrischung B. Brecht

Unser Montagsgebet stand unter dem Motto
„#meinherzgehörtmir – Gegen Zwangsverheiratung und Frühehen!“ 

Die Probleme, die wir vorher schon hatten, sollten wir im allgemeinen Getöse nicht aus dem Blick verlieren, denke ich. Ich bin dankbar, mich in der langen Tradition der Leipziger Montagsgebete zu wissen.

Ein Mitschnitt von der überaus gelungenen musikalischen Erstbegegnung zwischen Ingeborg Freytag und Brunhild Fischer 😉 zum Friedensgebet in der Nikolaikirche am 23. 11. 2020. Inklusive authentisch knarrender Kirchenbank …. Is bisschen leise, aber sonst wird die Kirchenbank auch lauter …. eine Frage der Prioritäten.

Und nun verspreche ich noch hoch und heilig, dass ich nicht wieder 4 Monate warte bis zum nächsten Beitrag. Wäre ja auch eine Schande, so spannend, wie grad alles ist.

Brockenfahrt und Feldaufnahmen im November

Anfang November war ich zu Feldaufnahmen am/ auf/ rund um den Brocken. Schönstes Wetter! Unfassbar, wie verschieden fließendes Wasser klingt. Surreale Klang-Begegnungen mitten im Wald, am nächsten Tag am Wurmberg. Ein Halt am Zufluchts- und Ferienort meiner Kindheit.

Mein Denkzeit-Stipendium der Kulturstiftung Sachsen, was ich Ende Juni bekam, hatte ja eher ideelle Ergebnisse, die sich aber inzwischen gut im realen Raum manifestiert haben. Ich war am äußersten oberen Ende der Insel Rügen, um Wasser und Wind sowie Töne von Orten einzufangen. Nun arbeite ich weiter an einer Soundbibliothek für kommende Kompositionen. Der Hör-Raum „Outdoor“ ist natürlich durch keine Elektronik nachzustellen. Künstliche Klangräume sind durchaus nützlich, wenn grade das Original nicht zur Verfügung steht. Ich ziehe die hörbare Seele eines Ortes vor.

Denkzeit-Projekt von Eckhard Ischebeck

Ein wunderbarer Kollege Schauspieler und (Kunst)Fotograf, der im Rahmen seines Stipendiums Angehörige der künstlerischen Berufe an ihren (Zu)Flucht-Orten besucht, interviewt und fotografiert hat. Wenn er dann eine Ausstellung damit machen darf, werde ich Musik spielen. Das haben wir ausgemacht. Ich verlange kein Geld dafür und er schenkt mir ein Foto. Das haben wir auch ausgemacht. Nach dem Krieg um sechs im Kelch. So verabredete sich im 1. Weltkrieg Jaroslav Hašeks „braver“ Soldat Schwejk mit dem Kameraden. Mich begleitete die Lesefassung mit Franz Kutschera durch meine Kindheit. In der DDR war ein bisschen „Schweijken“ durchaus nützlich, um sich Anstand, Würde und Lebensfreude zu bewahren. Weiß ja bis heute niemand, ob Schwejks Einfalt nicht eine besonders raffinierte Form des passiven Widerstandes ist. #denkzeitstipendium

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