Ja, es gibt mein Unterrichtsuniversum noch – etwas mehr im Hintergrund, etwas konzentrierter und begrenzt auf das Wesentliche. Am 6. November gebe ich einen Rahmentrommelworkshop. Wir sind zu Gast in den schönen hellen Räumen des NANAStudios in Leipzig Zentrum-Süd.
Alle Workshop-Infos gibt es in meinem Unterrichtsuniversum Drums & Chants. Alle Leihinstrumente inklusive!
… so für mich hin und nichts zu suchen das war mein Sinn. Nein, eigentlich wollte ich den Sinn eines Begriffes überprüfen und fiel prompt in eine Seite von Menschen, die sich mit Spaziergängen, moderner Pilgerfahrt, Medizinwanderungen, Walkabouts beschäftigen und dies auch nachhaltig orientierten Firmen anbieten. In Verbindung mit div. Teambuilding-Tools von Somatic Experience und Wildniserfahrung bis Achtsamkeitstraining. Eine Woche später hatte ich ein für beide Seiten äußerst inspirierendes Telefongespräch mit einem der Gründer. Zügig wurde uns klar, dasss wir mit herzlicher Hingabe dieselbe Sache bearbeiten und ich mit den Strategien der musikalisch-künstlerischen Berufe möglicherweise ein wertvolles assoziatives Mitglied werden könnte. Mal sehen! Jedenfalls, ich bin nicht allein mit dem, was ich mir unter Unternehmenskultur vorstelle und was ich in meinen Events und Trainings fokussiere. Und es gibt dafür immer wieder und immer weiter Partner in Wirtschaft, Industrie und Organisationen. Irgendwo muss man ja anfangen. Oder weitermachen. Die Atombombe ist auch keine Alternative. Die in diesem Zusammenhang beobachteten Ankündigungen des erweiterten Suizids würden normalerweise die Umgebung in höchste Alarmstimmung versetzen bzw. eine Einweisung nach sich ziehen. Zum Schutze des Patienten und der mitzunehmenden Nächsten. Aber für PolitikerInnen gilt das offenbar nicht.
Ja. Es fällt mir sowieso schwer, zu akzeptieren, dass auch Zerstörung ein kreativer Akt sein kann. Ich finde, das dürfen wir getrost der transformatorischen Energie der dunklen Göttinnen bzw. besser den dunklen Aspekten von Mutter Leben überlassen. Menschen sollten da nicht drin herumpfuschen. Auch keine Männer. Oder Frauensternchen. Niemand.
Ich liebe diese kleinen deutschen Texte mit kyrillischen Buchstaben! east pride – hihi!
Und: Eine kleine Anekdote vom „Highway To Hate“! Eine junge Frau kommt in den Club marschiert und bläkt: „Habt ihr etwa immer noch White Russian auf der Karte???“. Darauf faucht die Chefin: „Schon mal was von Big Lebowski gehört?“ (das war 1998 ein wunderbarer Film der Coen-Brüder, zu den Entspannungstechniken des Helden gehören neben Bowling mit Freunden und dem Anhören von Walgesängen auch das Trinken von White Russians =
5 cl Vodka
2,5 cl Kaffelikör
2,5 cl Sahne)
Die Aggro-Braut wusste das alles natürlich nicht. Wenig später gelang es, sie auf dem Damenklo bei schwerem Drogenmissbrauch zu ertappen und alsbald mit großer innerer Schadenfreude an die Luft zu setzen. Ach ja, Geschichten die das Leben schreibt, sind schwer zu überbieten ….
…. auf der Rückfahrt aus MeckPomm, wo das einzige Geräusch nachts die einzeln in die Regentonne fallenden Wassertropfen sind. Auf der Hinfahrt besuchte ich die Gedenkstätte Ravensbrück und Roswitha Baumeisters Denkzeichen für die Frauen, die in den Lagerbordellen Sexzwangsarbeit leisten mussten.
Mach ich natürlich nicht. Oder zu wenig. Zwischendurch ging mein Auto kaputt, ich kam recht komfortabel durch die Situation und dachte zwischendurch immer, ich wäre in einem Theaterstück. Ich stehe zwischen Sprint, Cosy Wash und Pit Stop. Verschiedene Personen treten auf und sagen was, sind lustig oder zornig, ein Ukrainer mit Segelohren will unbedingt ein TikTokFoto mit dem Tankstellenmann machen, der Tankstellenmann gibt mir eine Bockwurst aus, so gestrandet wie ich bin, der Strassenwachtfahrer erzählt mir alles über die Situation der Autowerkstätten in Berlin, der ADAC-Heimbringer kann mich nur heimbringen, weil er vorher eine seltsame Frau gerettet hat und darob seinen Feierabend verpasste und ich wollte ja eigentlich meditieren. Sumarah heisst vollkommene Hingabe und der Führung folgen. Ja, das mach ich. Der Alltag als Übung (Karlfried Graf Dürckheim). Und: es lebe die ADAC Plusmitgliedschaft!
Ich habe Delia’s Nachlasspfleger besucht – ich kann nicht zuschauen, wenn weibliches Erbe verschleudert wird, in einer Zeit in der Frauen sowieso wenig und selten vererben. Was ich tun konnte, habe ich getan und konnte im Moment auch nur ich tun. Nun ist alles auf dem Weg. Wer sie nur ein bisschen gekannt hat, weiß, dass sie es sich gerne eher schwer als leicht gemacht hat und alle rundrum es bitte auch so tun sollten. Ich wundere mich also nicht darüber, dass kein eindeutiges Testament mich beauftragt hat, sondern einzig und allein die immer noch vorhandene und nie zerbrochene Verbindung.
Und Franz. Ich denke jeden Tag an ihn. Vorgestern besuchte ich seine Gefährtin, bekam einen Stick mit allen Dateien, die irgendwie mit meinem Soloalbum zutun haben – wir tauschten Geschichten und Erinnerungen, weinten zusammen und teilten den Zorn auf ein unergründliches blödes Schicksal, was hier in die Speichen gegriffen hat. Und waren uns einig, dass sein lyrisches und musikalisches Erbe weiter auf die Bühne gehört. Wie und mit wem auch immer.
Die klugen Kollegen von Gangart Leipzig haben schon während der pandemisch inspirierten Massnahmen in ihre Rahmen gehängt, was wichtig ist, wenn da keine Konzertplakate hängen dürfen und man aber trotzdem was sagen will. Wir sollten uns öffnen für die zarten Stimmen, für die freundlichen Kommentare, für alles was uns hilft, mit Anstand und Würde in dieser Zeit zu leben. Im allgemeinen Kriegsgebrüll gibt es so vieles zu hören. Mein Beruf ist ja eigentlich nicht Musikerin, sondern Hörerin, Zuhörerin, Lauschende …..
Im Guten und im Schlechten, könnte ich jetzt sagen, das stimmt aber nicht. Ich bin mir sehr sicher, dass Franz mir bereits Türen geöffnet hat, die ich nur nicht so deutlich wahrnehme, weil ich noch mit den Türen beschäftigt bin, die sich geschlossen haben. Unser Abschiedsfest hätte ihm gefallen. Es gab die Möglichkeit, in einem separaten Raum von ihm Abschied zu nehmen. Ich wartete, bis die Schlange sich gelichtet hatte, schlüpfte hinein, schaute ihn lange an, sprach einen Segen und bedankte mich bei ihm.
Es wurde gelacht und geweint, geteilte Zeit, Gefühle und gemeinsame Orte und Gedanken geehrt und es gab Musik. Auch ein Geigenstück von mir – irgendwo zwischen Blues, Osteuropa, Zorn und Liebe und natürlich dem Wissen, dass ich den Anwesenden einen Weg bahnen muss. Als ich „into my arms“ von Nick Cave sang, mit der Gitarre unterstützt und begleitet von meinem wundervollen Kollegen Jörg, dem langjährigen Weggefährten von Franz, dachte ich kurz, Franz stünde hinter mir und frotzelte mich an, warum denn hier alle so traurig seien und was denn los wäre. Als seine Gefährtin begann, von „Passage“ zu sprechen und was sie alles bedeuten kann, wusst ich endgültig, dass ich eine Woche zuvor den richtigen Titel für mein Soloalbum gefunden hatte.
Heute war ich unterwegs, um Trost zu finden, draussen … Wald … Wasser … und wie ich da so durchs Unterholz krabble, finde ich nach mehreren Parasol(Schirm)pilzen eine Miniaturlichtung mit einer Steinpilzmama plus Steinpilzkind. Direkt daneben eine Schwungfeder von vermutlich Bussard, ich hörte sie auf dem Weg rufen. So bin ich nun nicht nur getröstet, sondern auch genährt mit einem Pilzgericht und (da ich immer wieder und oft Federn finde) in Kontakt mit „oben“. Was brauch ich mehr. Niemand weiss, was morgen ist. Und wenn wir frieren werden, warum? Sicher nicht, weil uns das Erdgas fehlt.
Ach Franz. Vorgestern Nacht hast du dich davongemacht. Ohne Vorankündigung. Und wirklich, wirklich viel zu früh. Nun muss ich mein Solovioline-Livealbum ohne deine treue Unterstützung zuende bringen. Und mich ohne dich darüber freuen. Und unser wundervolles Trio THE HUMMING TREES ist Geschichte. Es ist zum weinen. Und ich tue es auch.
Ich habe deine stille, freundliche und kraftvolle Präsenz beim Spielen geliebt. Du warst uns allen ein Vorbild, dass zum Musizieren eben doch ein bisschen mehr gehört als flinke Fingerchen und dass ein musikalisches Miteinander nur dann wirklich funktioniert, wenn die Beteiligten einander zuhören, respektieren und auch im Widerstreit SoSeinLassen. Und sich on the road nicht auf den Zeiger gehen.
Was ist passiert? Hast du dich in der Tür geirrt in dieser Nacht? Leben oder Sterben? Hattest du ein Problem, von dem du niemandem erzählt hast? Wusstest du etwas über dich und deine Zukunft und Sterben war die beste aller Alternativen?
Ich bin froh über unsere kleine Konzert-Tour mit Humming Trees an der Ostsee im Juli und ich sehe uns in der Lukaskirche am 2. August bei den Aufnahmen für mein Soloalbum. Du warst einer der Menschen, die meine künstlerische Präsenz sehen, verstehen und ehren konnten, ohne sie auf ihr eigenes Mittelmaß heruntermackern zu müssen. Das hattest du nicht nötig. Du wirst mir fehlen. Du fehlst mir jetzt schon.
Es ist eine schwere Zeit gerade. Wir wissen alle nicht, wohin mit unserer Liebe und unserem Zorn, scheinbar geht es an jeder Ecke nur um Kohle, alles ist ausgehöhlt und ohne Sinn und die Machtbesessenen dieser Welt machen das, was sie wollen. Also eigentlich versteh ich dich sogar. Mach’s gut. Wir sehen uns wieder.
Die letzte Stunde im Oderbruch. Ich bin gestärkt und froh, daran ändert auch die Nebenkostenabrechnung nix. Gestern hatte ich dann endlich mal Ruhe, um mir Eugen Drewermanns Rede gegen den Krieg anzuhören. Findet man auf YouTube, ich verlinke mal lieber nicht. Aus Gründen. Meine Kollegin Heike singt grade wieder die alten Lieder von 89, kommt super gut an und ändern muss sie auch nichts. Ach ja. Die Stunde der Schwellenreiter und der von Macht besessenen und besoffenen aller Himmelsrichtungen.
Ich kann es ja aber eben auch nicht lassen: Telefonate wegen Delia’s Nachlass, Rundmails zum Gedenken und lange aufgeschobene Kontaktaufnahmen wegen meines Soundcollagen-Albums (der nächste Plan nach dem Akustik-Album, was wir grade mixen) und einer ev. Neuauflage von „LOHARANO – german malagasy song project“. Probenorganisation, Roadmanagement, Anfragen und Absagen und und und und. Und natürlich kümmert es mich, warum es der Oder so schlecht geht und warum unsere oberste Diplomatin Diplomatie für sinnlos hält. Naja. Mit dem Endsieg kennen wir uns ja aus.
Einzige Lösung für Arbeitsaufenthalte: digitale Endgeräte konsequent zuhause lassen und sich im absoluten Funk- und Netzloch einmieten. Oder doch noch zur superdisziplinierten, einzig ihrer Kunst verpflichteten Autistin, äh Künstlerin mutieren. Nein, ich finde das nicht doof – eigentlich bin ich neidisch. Könnte ein Plan fürs nächste Leben sein. Allerdings bin ich nicht 100% sicher, dass ich dazu nicht auch männlich sein muss. Ob’s mir das wert ist, hm.
So, jetzt hab ich erstmal eine warme Jacke und Emmas pinkfarbene Wollsocken angezogen. Bei frischen 21 Grad Außentemperatur ist es im Haus dann auch frisch. Allerdings hat die Sonne sich jetzt doch für Anwesenheit entschieden, ich werde mal eine Rahmentrommel-Übungseinheit einlegen und dann einen Spaziergang durch die Felder machen.
Schul- und Bethaus Altlangsow – Blick von der Empore in die große Ausstellungshalle
Trumpf No VII – Der Wagen. Die Transformation geschieht immer aus dem Innehalten, dem meditativen Empfangen heraus. Den richtigen Moment erfassen. Das ungestüm vorwärtsdrängende oder auch ängstlich zu lange abwartende EGO beiseite lassen. Sich der Führung anvertrauen. Ungeduld bewirkt da leider gar nix. Aber ja doch, das weiß ich. Wo doch immer alle denken, ich wäre sooo geduldig und täte den ganzen Tag so in mir ruhen. Wie sehr ich dafür empfänglich bin, die Bilder die andere Menschen von mir haben, in mein Selbstbild aufzunehmen – ach du ahnst es nicht. Phhhh. Dass ich angeblich fürs Bilder integrieren mehr oder weniger unempfindlich bin, gehört zu den Bildern. Ha. Ja DU, so jubelt mich manche(r) an, DU —- DU bist eben kompromisslos. Sag ich, nein: Ich tue die Dinge nicht so wie ich sie tue, weil ich kompromisslos bin. Ich tue sie so, weil ich es eben NICHT bin. Weil das gradeaus (auf dem Weg vor mir) und grade runter (in die Tiefe) bei mir bleiben mir sehr hilft, wenn ich anfange in fremden Bildern zu denken und zu fühlen – was ich gerne tue, um zu verstehen, was die andere Person bewegt. Weil ich gerne Impulse aufnehme und mich manchmal auch darin verliere. Weil meine Halteseile immer aus Zweifel UND Gewissheit bestehen. Weil ich kaum in der Lage bin, etwas oder jemanden ausschließlich gut oder böse zu finden. Und weil ich gnadenlos mitfühlend bin, wenn ich sehe, dass eine Person mit einer Situation noch schlechter zurecht kommt als ich. Das ist prima, weil ich dann helfen kann und das, wir wissen es alle, heilt den eigenen Schmerz in Lichtgeschwindigkeit. Und, nicht vergessen, wir leben in einer Welt, in der als clever und cool gilt, wer dem Rad des Schicksals in die Speichen greift. Egal wie schnell es sich dreht. Wie bekloppt.
Apfelbäume im Garten. Drei verschiedene Sorten, alle köstlich. Es lebe die Vielfalt! Das Spatzenvolk hockt in den angrenzenden Büschen und bearbeitet Spatzenthemen. Ich lese in einer Erstausgabe von „Der Meister und Margarita“ aus der gut ausgestatteten Bibliothek hier im Haus – immer wieder erstaunlich, der Russe Bulgakow schrieb den Roman von 1928 bis 1940. Wieviel Witz und Klarheit es doch in einer Diktatur geben kann. In der DDR verglichen wir natürlich Stalins Überwachungsstaat mit dem unseren. Ein natürlich unzulässiger Vergleich. Ein Freund nannte in den 90ern seinen Kater Behemoth. Behemoth ging jeden Tag die 5 Stufen des Souterrains hinauf in den Garten, setzte sich unter eine Babyfichte und meditierte. Nach einer Stunde kam er wieder herein. Allerdings lief er nicht auf den Hinterbeinen wie der Romankater und war auch nicht der Gehilfe von Professor Voland (dem Teufel) und hatte auch sonst wenig Ähnlichkeit mit dem Kater im Buch. Ziemlich sinnlos also, die Namensgebung. Naja. Obwohl.
Ich spiele Rahmentrommel, hier in dem großen Raum mit Tonnengewölbe aus Holz klingt es natürlich genial! Obwohl ich die Hälfte vergessen bzw. auf der Reise verloren habe, konnte ich doch mein Miniaturstudio in Gang bringen und nehme immer mal was auf. Das Haus ist kühl, obwohl draußen immer noch 29 Grad sind und das versprochene Gewitter sich ziert.
Nichts. Ab und an ein Auto, die Post. Ein bellender Hund. Ein Nachbar, der (leise) Radio hört. Ein Hahn. Ich singe.